Haben Sie sich jemals gefragt, warum jedes Frühjahr unzählige Amphibien auf dem Weg zu ihren Laichgewässern ihr Leben lassen? Es ist ein trauriges Naturschauspiel, das an unseren Straßen stattfindet und oft unbemerkt bleibt. Doch hinter diesem jährlichen „Massaker“ steckt mehr als nur Zufall. Die Art und Weise, wie sich Frösche und Kröten im Frühjahr fortbewegen, birgt Gefahren, die auf dem Rückweg deutlich geringer sind.
Die gefährliche Reise ins nasse Glück
Im Frühjahr erwacht die Natur zu neuem Leben, und mit ihr auch unsere heimischen Amphibien. Erdkröten und Grasfrösche sind keine Ausnahme. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: ein Gewässer, in dem sie geboren wurden und sich fortpflanzen können. Dies ist eine lebenswichtige Reise, die an nur einem Abend mehrere Kilometer zurücklegen kann – unter bestimmten Bedingungen.
Wann beginnt die Amphibienwanderung?
Es gibt keinen exakten Kalender für die Amphibienwanderung. Die Natur bestimmt den Zeitpunkt. Sobald die Temperaturen eine Nacht lang über 6°C steigen und es regnet, setzt das Signal zum Aufbruch. Grasfrösche, Springfrösche und Molche sind oft die Ersten, die sich auf den Weg machen. Erdkröten brauchen es etwas wärmer, folgen aber kurz darauf, sobald die Temperaturen allgemein milder werden.

Die unglaubliche Distanz des Lebens
Die Tiere kehren nicht zum x-beliebigen Teich zurück, sondern präzise zu dem Gewässer ihrer Geburt. Diese Wanderung kann zwischen 500 Metern und bis zu fünf Kilometern lang sein. Pro Tag legen sie dabei maximal etwa 600 Meter zurück. Eine beachtliche Leistung für ein kleines Wesen, auf der sie vielen Gefahren ausgesetzt sind.
Warum der Hinweg tödlicher ist als der Rückweg
Das mysteriöse Verhalten der Männchen
Haben Sie gesehen, wie manche Kröten einfach mitten auf der Straße sitzen bleiben, während andere weiterkrabbeln? Das hat einen einfachen Grund: Es sind die Männchen. Sie warten auf die Weibchen, die zum Teich wandern. Die Straße bietet ihnen einen perfekten Aussichtspunkt ohne störende Büsche. Hier warten sie auf eine Mitfahrgelegenheit, um das Weibchen Huckepack zur Fortpflanzung zu nehmen. Doch genau dies wird ihnen zum Verhängnis. Autos sind für sie keine Bedrohung, ihr Instinkt warnt sie nicht. Wenn sie die Scheinwerfer sehen, richten sie sich auf und versuchen, sich groß zu machen – ein tödlicher Fehler.
Die Gefahr durch Autos
Die männlichen Kröten haben weder die Erfahrung noch den Instinkt, Autos als Gefahr zu erkennen. Während die Weibchen oft noch schnell über die Straße huschen können, werden die Männchen von den Scheinwerfern geblendet, richten sich auf und werden so leicht zum Opfer. Auf dem Rückweg zum Winterquartier sind sie meist schon vom Paarungsakt erschöpft und orientieren sich eher am Bauchgefühl als an strategischen Aussichtspunkten, was sie weniger exponiert macht.

Wie Sie den Amphibien helfen können
Sie möchten helfen? Das ist wunderbar! Aber bitte nicht durch Hineingreifen auf die Straße bei Nacht und Regen. Das ist gefährlich für Sie und die Tiere. Das Beste, was Sie tun können, ist bei Warnschildern für Krötenwanderungen langsam zu fahren und den Tieren auszuweichen, wenn es sicher möglich ist. Tausende freiwillige Helfer engagieren sich in Vereinen wie dem LBV oder BUND, bauen Schutzzäune auf und transportieren die Tiere sicher über die Straßen. Wenn Sie aktiv werden wollen, schließen Sie sich ihnen an.
Der unauffällige Herbst-Trip
Es gibt tatsächlich auch eine Herbstwanderung der Amphibien, wenn sie ihre Winterquartiere aufsuchen. Diese ist jedoch weitaus weniger synchronisiert und daher weniger auffällig als der „Run“ zum Laichgewässer im Frühjahr. Die Instinkte sind im Frühjahr stärker ausgeprägt, was zu der gefährlichen Massenwanderung führt. Auch im Herbst drohen Straßen den Tieren, aber die Gefahr ist über eine längere Zeit und weniger konzentriert verteilt.
Haben Sie das Phänomen der Krötenwanderung schon beobachtet? Was sind Ihre Gedanken dazu?
