Haben Sie sich je gefragt, warum manche Kröten scheinbar ziellos auf der Straße verharren, während andere weiterziehen? Dieses Verhalten mag auf den ersten Blick verwirrend sein, doch dahinter steckt eine faszinierende Strategie, die oft zum Verhängnis für die Tiere wird.
Wenn die Temperaturen steigen und der Regen einsetzt, beginnt für heimische Amphibien die jährliche Reise. Sie müssen Gewässer aufsuchen, um sich fortzupflanzen – und das sind oft genau die Gewässer, in denen sie selbst einst das Licht der Welt erblickten. Doch nicht alle Amphibien machen sich gleichzeitig auf den Weg. Grasfrösche und Molche sind oft die Ersten, doch auch die Erdkröten lassen nicht lange auf sich warten.
Die Suche nach dem Richtigen Weibchen
Warum sie auf der Straße verharren
Die Antwort ist erstaunlich einfach: Es sind meist die männlichen Kröten, die auf unseren Straßen verweilen. Ihre Verweildauer ist kein Zufall, sondern Teil einer ausgeklügelten Paarungsstrategie. Sie suchen sich strategisch günstige Aussichtspunkte, um die herannahenden Weibchen zu erspähen.
Straßen bieten hierfür ideale Bedingungen: Keine Büsche versperren die Sicht, und der Überblick ist maximal. Die Männchen warten darauf, von den Weibchen auf ihrem Weg zum Teich „eingesammelt“ zu werden – bequem im Huckepackmodus.

Verhängnisvolle Begegnungen mit Autos
Keine natürliche Angst vor dem Feind
Das tragische Problem: Männliche Kröten haben Autos nicht als potenzielle Gefahr in ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire. Wenn sie den Scheinwerfer eines herannahenden Autos sehen, reagieren sie nicht mit Flucht, sondern versuchen sich oft groß zu machen, um zu drohen. Dies ist meist ihr letzter Akt.
Es ist eine Situation, in der evolutionäre Anpassung auf eine neue, unvorhergesehene Bedrohung trifft. Autos sind kein natürlicher Feind, und so fehlt den Kröten der Instinkt zur Vermeidung.

Wie Sie den Kröten helfen können
Langsam fahren und ausweichen
Haben Sie das Schild „Krötenwanderung“ entdeckt? Das ist ein klares Zeichen, sofort vom Gas zu gehen. Wenn es sicher möglich ist, weichen Sie den Tieren aus – das ist die wichtigste Hilfe, die Sie leisten können.
Bitte steigen Sie nicht bei Regen und Dunkelheit mitten auf der Straße aus, um Kröten umzutragen. Das ist gefährlich sowohl für Sie als auch für die Tiere. Konzentrieren Sie sich darauf, als Fahrer:in vorausschauend zu agieren.
Freiwilligenarbeit für Amphibienschutz
Wenn Sie sich aktiv engagieren möchten, gibt es Organisationen wie den LBV oder den Bund Naturschutz in Bayern, die Jahr für Jahr tausende Freiwillige suchen. Diese Helfer bauen Amphibienschutzzäune auf und transportieren die Tiere sicher über die Straße.
- Schutzzäune aufstellen: Helfen Sie mit, temporäre Barrieren zu errichten.
- Transport über die Straße: Tragen Sie gesammelte Tiere sicher an das andere Straßenende.
- Informationsarbeit: Aufklären Sie andere über die Krötenwanderung und ihre Gefahren.
Das Schicksal der Kröten liegt oft in unseren Händen. Durch aufmerksames Fahren und Unterstützung lokaler Naturschutzinitiativen können wir einen echten Unterschied machen.
Denken Sie daran: Jede bewusste Entscheidung auf der Straße zählt. Wie oft sind Sie während der Krötenwanderung bereits vorsichtig gefahren oder haben Amphibien sicher über die Straße gebracht?
