Chronische Zuspätkommer: Warum sie so sind und wie Sie Ihr Nervenkostüm schonen

Chronische Zuspätkommer: Warum sie so sind und wie Sie Ihr Nervenkostüm schonen

Sind Sie es leid, ständig auf jemanden zu warten? Bei jedem Treffen steht die Uhr still, während die Zeit für Sie tickt und tickt. Wenn Sie auch jemanden kennen, der chronisch zu spät kommt, sind Sie damit nicht allein. Doch was steckt wirklich dahinter, und wie können Sie verhindern, dass die Unpünktlichkeit anderer Ihren Tag ruiniert?

Es ist eine Frustration, die viele von uns kennen: Man plant, ist pünktlich und doch wartet man. Die Frage, warum manche Menschen scheinbar mühelos die Zeit vergessen, während andere unter Strom stehen, um jeden Termin einzuhalten, beschäftigt uns schon lange.

Warum manche die Zeit vergessen – und andere nicht

Zeitforscher Marc Wittmann hat eine faszinierende Erklärung. Menschen, die oft zu spät kommen, sind laut Wittmann nicht unbedingt unzuverlässig. Im Gegenteil: Sie sind oft tief in dem Moment versunken, den sie gerade erleben. Sie leben intensiv im „Hier und Jetzt“ und vergessen dabei die Zeit.

Das ist keine Ausrede, sondern eine andere Art, die Welt wahrzunehmen. Ihr Fokus liegt auf der Tätigkeit, dem Gespräch, dem Erlebnis. Die Uhr? Die wird zur Nebensache.

Das „Prospektive Gedächtnis“ spielt eine Rolle

Wissenschaftlich betrachtet, können Unterschiede im sogenannten „prospektiven Gedächtnis“ eine Rolle spielen. Das ist die Fähigkeit, sich an zukünftige Absichten zu erinnern und diese umzusetzen. Wenn Sie sich fest vornehmen, in zehn Minuten etwas Bestimmtes zu tun, und es dann auch tun, haben Sie ein gut funktionierendes prospektives Gedächtnis.

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Personen, die hier oft scheitern oder es vergessen, sind laut Wittmann eher „ereigniszeitorientiert“. Sie orientieren sich an dem, was gerade passiert, statt an starren Zeitvorgaben.

Der Wert des erlebnisorientierten Lebens

Das mag auf den ersten Blick wie eine Entschuldigung klingen, aber Wittmann betont einen wichtigen Punkt: Menschen, die die Zeit etwas lockerer nehmen, leben oft intensiver. Sie ziehen mehr aus ihren Erlebnissen und berichten rückblickend von einer reicheren, erfüllteren Lebenszeit.

Das ist wie der Unterschied zwischen einem schnellen Snack und einem ausgiebigen Menü. Einer kostet Zeit, der andere bereichert.

Ist Unpünktlichkeit immer unhöflich?

Zugegeben, Unpünktlichkeit kann sich oft wie mangelnder Respekt anfühlen. Wittmann weist jedoch auf Nuancen hin:

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  • Wichtige Termine: Selbst der größte Zeitvergesser wird bei einem entscheidenden Meeting, zum Beispiel um eine Gehaltserhöhung, pünktlich sein. Der Druck und die Wichtigkeit fokussieren.
  • Machtstrukturen: Manchmal ist Unpünktlichkeit auch ein Ausdruck von Hierarchie. Ein Chef, der noch schnell einen Anruf tätigt und zu spät kommt, nutzt seine Position.
  • Privater Kontext: Im Freundes- oder Familienkreis sollte Pünktlichkeit vor allem Wertschätzung bedeuten. Hier darf man vielleicht auch mal über eine Viertelstunde nachsehen.

Kann man lernen, pünktlich zu sein?

Die gute Nachricht: Ja, Pünktlichkeit ist lernbar. Marc Wittmann bestätigt, dass wir Menschen sehr konformistisch sind. Das bedeutet, wir orientieren uns an unserer Gruppe.

Sind Sie von einer Gruppe pünktlicher Menschen umgeben, werden Sie selbst tendenziell pünktlicher. Umgekehrt gilt das Gleiche für eine Gruppe von Zuspätkommern. Der Wille und die Umgebung spielen eine große Rolle.

Wie gehen Sie mit chronischen Zuspätkommern um?

Statt Vorwürfe zu machen („Du kommst IMMER zu spät!“), versuchen Sie eine andere Taktik. Der Rat der Deutschen Knigge-Gesellschaft ist pragmatisch:

  • Positive Verstärkung: Sagen Sie lieber: „Ich freue mich, wenn du pünktlich bist.“ So betonen Sie, wie wichtig Ihnen Pünktlichkeit ist, ohne zu kritisieren.
  • Zeitplan anpassen: Bei notorischen Zuspätkommern kann es helfen, den Treffpunkt ein paar Minuten früher anzugeben, als es eigentlich der Fall ist.
  • Eigene Grenzen setzen: Nach 15 Minuten Wartezeit ist es Ihr gutes Recht zu gehen. Ihre Zeit ist genauso wertvoll.

Denn am Ende des Tages ist Ihre Zeit kostbar und sollte nicht unnötig durch das Zuspätkommen anderer vergeudet werden. Wie gehen Sie persönlich mit Zeitgenossen um, die die Uhrzeit gerne mal ignorieren?

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