Der Anblick eines zugefrorenen Sees oder Gewässers im Winter kann besonders verlockend sein. Doch die scheinbare Stabilität kann trügerisch sein und zu lebensgefährlichen Situationen führen. Jedes Jahr wiederholen sich die tragischen Unfälle, weil die Eisregeln missachtet werden. Wann ist das Eis wirklich sicher, was sind die Gefahren und wie verhalten Sie sich am besten, wenn jemand unter Ihren Augen einbricht?
Die wichtigste Regel: Sicherheit zuerst!
Begeben Sie sich niemals ohne vorherige Vorsichtsmaßnahmen aufs Eis. Die oberste und wichtigste Regel lautet: Warten Sie, bis mehrere Nächte mit starkem Frost vorangegangen sind. Ist dies nicht der Fall, meiden Sie Eisflächen auf Gewässern unbedingt. Die Dicke des Eises ist entscheidend, und selbst dann ist Wachsamkeit geboten.
Wie dick muss das Eis sein?
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gibt klare Empfehlungen für die Betretbarkeit von Eisflächen:

- Mindestens 15 cm Eisdicke sind erforderlich, damit eine Eisfläche sicher betreten werden kann.
- Seien Sie besonders vorsichtig bei Zu- und Abflüssen von Seen. Hier ist die Eisschicht oft dünner und sollte gemieden werden.
- Bei fließenden Gewässern wie Flüssen oder Bächen ist das Eis noch dicker erforderlich: mindestens 20 cm.
Wichtiger Hinweis: Dunkle Stellen im Eis sind oft ein Zeichen für eine dünnere Eisschicht und sollten umgehend gemieden werden.
Knackende Geräusche – Ein Warnsignal?
Wenn das Eis unter Ihnen knackt oder knistert, ist das ein deutliches Warnsignal. Dieses Geräusch bedeutet in der Regel, dass die Eisschicht zu dünn ist. Ziehen Sie sich sofort vom Eis zurück und betreten Sie es nicht weiter. Aber warum macht das Eis überhaupt Geräusche, selbst wenn es stark genug ist?
Die Physik hinter den Geräuschen
Die Geräusche, oft als „Peitschengeräusche“ oder „Alien-Geräusche“ beschrieben, entstehen durch physikalische Spannungen im Eis. Dr. Karoline Bernhard-Höfer, Physikerin an der Universität Regensburg, erklärt:
- Die Temperatur der Luft über dem Eis ist meist niedriger als die des Wassers darunter.
- Die kältere Eisoberfläche zieht sich stärker zusammen als die wärmere untere Schicht.
- Diese unterschiedlichen thermischen Spannungen führen zur Bildung von Rissen, die ein kurzes Knackgeräusch verursachen.
Dieses Geräusch ist physikalisch ein Wellenpaket aus Schallwellen unterschiedlicher Frequenz. Je höher die Frequenz, desto schneller breiten sich die Wellen aus. Ein weit entfernter Beobachter hört daher statt eines Knackens eher ein „piuuh“, da er zuerst hohe und dann tiefere Töne wahrnimmt.

Einbruch ins Eis: Wie Sie helfen und sich selbst retten
Sollten Sie Zeuge werden, wie jemand ins Eis einbricht, ist schnelles und besonnenes Handeln gefragt:
- Sofort den Notruf 112 wählen!
- Priorität: Eigene Sicherheit! Retten Sie nur, wenn Sie sich selbst nicht in Gefahr bringen.
- Rettung vom Ufer aus: Versuchen Sie, dem Eingebrochenen vom sicheren Ufer aus einen Gegenstand wie einen Schal, Ast oder Seil zuzuwerfen.
- Wenn Sie selbst aufs Eis müssen:
- Legen Sie sich flach auf den Bauch, um Ihr Gewicht zu verteilen. Niemals stehen!
- Sichern Sie sich nach Möglichkeit selbst am Ufer mit einem Seil gegen Wegrutschen.
- Unterkühlung ernst nehmen: Sobald die Person gerettet ist, rufen Sie sofort den Notarzt. Entfernen Sie vorsichtig nasse Kleidung, decken Sie die Person warm zu und schützen Sie sie vor Wind.
Eine bewegende Rettungsaktion, bei der eine Frau einem eingebrochenen 10-jährigen Buben zu Hilfe kam, wurde kürzlich im Bayernmagazin auf Bayern 1 berichtet. Diese Fälle zeigen, wie wichtig das Wissen um die richtigen Verhaltensweisen ist.
Vermeiden Sie auch diese Gefahren
Gerade im Winter lauern im Straßenverkehr weitere Gefahren. Beispielsweise kann das Anfahren auf schneeglatter Fahrbahn zu Problemen führen. Ein einfacher Tipp: Versuchen Sie, im zweiten Gang anzufahren, um die Traktion zu verbessern.
Wie oft waren Sie bereits in einer Situation, in der Sie sich unsicher waren, ob das Eis trägt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren!
