Carrageen: Was es in Schlagsahne macht – und in deinem Darm

Carrageen: Was es in Schlagsahne macht – und in deinem Darm

Hast du dich schon mal gefragt, warum deine Schlagsahne oft so perfekt cremig ist, auch wenn sie nicht mehr so viel Fett zu enthalten scheint? Die Antwort könnte ein Zusatzstoff sein, der sowohl in deiner Küche als auch – potenziell – in deinem Körper für Aufsehen sorgt. Jüngste Forschungen werfen ein neues Licht auf Carrageen, einen vermeintlich harmlosen Stoff, der weit mehr kann, als nur deine Torten stabilisieren. Lass uns gemeinsam aufdecken, was dieser Stoff wirklich bewirkt und warum du ihm besondere Aufmerksamkeit schenken solltest.

Was genau ist Carrageen und wo versteckt es sich?

Carrageen, auch bekannt als E 407, ist ein natürlicher Verdickungs- und Geliermittel, das aus Rotalgen gewonnen wird. Klingt erstmal harmlos, oder? Dieser vielseitige Stoff ist aber in erstaunlich vielen Produkten des täglichen Bedarfs enthalten, oft ohne dass wir es wirklich merken. Von deiner morgendlichen Tasse Kaffee bis zum Eis am Abend – Carrageen sorgt überall dort für die gewünschte Konsistenz.

Die süße Falle in Lebensmitteln

Du findest Carrageen unter anderem in:

  • Tortenguss und Puddingpulver
  • Frisch- und H-Sahne
  • Frischkäse, Margarine und Kaffeeweißer
  • Pflanzenmilch-Alternativen
  • Vegane Wurst- und Aufschnittprodukte
  • Eiscreme, Ketchup und fertige Salatdressings
  • Süßigkeiten und Lightprodukten

Interessant ist, dass Carrageen sogar in Bio-Produkten erlaubt ist, wenn das EU-Biosiegel in Blattform getragen wird. Jedoch verzichten einige Bio-Marken wie Alnatura bewusst darauf, und Bio-Siegel wie Demeter oder Bioland schließen Carrageen grundsätzlich aus. Das zeigt, dass es durchaus Alternativen gibt, wenn man Wert auf eine reinere Zusammensetzung legt.

Mehr als nur Sahne: Auch in Kosmetik und Wein?

Die Reise von Carrageen endet nicht bei Lebensmitteln. Auch in vielen kosmetischen Produkten wie Zahnpasta und Duschgels findet es Verwendung. Sogar in der Weinproduktion kommt es zum Einsatz, um unerwünschte Trübungen zu beseitigen. Man könnte fast sagen, Carrageen ist ein Alleskönner – aber ist es auch ein Gönner für unsere Gesundheit?

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Neue Studien: Was Carrageen mit deinem Darm anstellt

Bisher galt Carrageen als weitgehend unverdaulich und unproblematisch. Doch aktuelle Forschungsergebnisse lassen aufhorchen. Eine Studie aus dem Jahr 2024, an der Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) beteiligt waren, untersuchte die Auswirkungen von Carrageen auf den menschlichen Darm und den Zuckerstoffwechsel bei gesunden jungen Männern.

Die überraschenden Ergebnisse der Studie

Die Testpersonen nahmen über zwei Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung entweder Carrageen oder ein Placebo ein. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Carrageen die Durchlässigkeit des Dünndarms erhöhen kann. Forscher vermuten, dass dies mit einer leichten Entzündungsreaktion im Darm zusammenhängt.

Was bedeutet das für uns? Eine erhöhte Darmdurchlässigkeit könnte potenziell das Risiko für entzündliche Darmerkrankungen erhöhen und bei übergewichtigen Personen die Insulinsensitivität negativ beeinflussen. Die Wissenschaftler betonen, dass weitere Studien nötig sind, um diese Effekte vollständig zu verstehen.

Carrageen und entzündliche Darmerkrankungen

Bereits eine frühere Laborstudie mit Mäusen im Jahr 2017 zeigte, dass Carrageen entzündliche Darmerkrankungen auslösen kann. Obwohl der Körper Carrageen größtenteils unverändert ausscheidet, kann es die Aufnahme anderer wichtiger Nährstoffe, wie zum Beispiel Mineralstoffe, beeinträchtigen. Menschen mit chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn sollten daher Carrageen und andere Emulgatoren meiden, da sie bei ihnen zu Reizungen, Bauchkrämpfen oder Durchfall führen können.

Die feine Kunst der Deklaration: Worauf du achten solltest

Carrageen kann sich hinter verschiedenen Namen verstecken. Neben E 407 können auch die Bezeichnungen „Karrageen“, „Karragheen“ oder „Fucelleran“ in der Zutatenliste auftauchen. Halte also die Augen offen, wenn du deine Einkaufsliste abhakst.

Sahne ohne den Zusatzstoff: Geht das?

Ja, das geht! Viele Bio-Sahnesorten, die auf E 407 verzichten, kommen ganz ohne den Zusatzstoff aus. Der Clou: Der Rahm setzt sich hier oben ab. Der Trick ist, diese Sahne vor Gebrauch kräftig zu schütteln, damit sich der Rahm wieder gleichmäßig verteilt. So erhältst du die gewohnte Cremigkeit, ganz ohne Carrageen.

Besonders aufschlussreich ist die Tatsache, dass Carrageen nicht für Säuglingsanfangsnahrung zugelassen ist. Das wirft natürlich Fragen auf, warum es dann in so vielen Produkten für Erwachsene und Kinder stecken darf.

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Das steckt wirklich drin: Carrageen – ein Naturprodukt mit Nachspiel?

Carrageen ist rein pflanzlich und wird aus Rotalgen gewonnen. Die Herstellung ist relativ einfach: Die Algen werden gewaschen und in heißer Lauge gekocht, um das Carrageen zu extrahieren. Die Hauptanbaugebiete liegen heute in Asien, aber auch in Europa wird Algenzucht betrieben.

Ist Carrageen eine gute Wahl für Veganer?

Ja, als aus Algen gewonnenes Produkt ist Carrageen für Veganer geeignet. Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles, was natürlich ist oder vegan deklariert wird, automatisch bedenkenlos ist.

Mein Fazit: Ein kleines Extra mit potenziellen Tücken

Carrageen ist ein faszinierender Zusatzstoff, der deine Schlagsahne cremig macht und so manchem Gericht Textur verleiht. Die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zeigen jedoch, dass wir seine Wirkung auf unseren Körper nicht unterschätzen sollten. Insbesondere die potenzielle Beeinflussung der Darmgesundheit gibt Anlass zur Vorsicht.

Wenn du Wert auf eine gesunde Verdauung legst und möglichen Risiken aus dem Weg gehen möchtest, empfehle ich dir, die Zutatenlisten aufmerksam zu lesen. Die Entscheidung, ob du Carrageenhaltige Produkte meidest, liegt letztendlich bei dir und deinen persönlichen Prioritäten.

Welches Lebensmittel hat dich zuletzt mit seiner Zutatenliste überrascht? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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