Sehen Sie gerade ungewöhnlich viele Füchse, auch tagsüber? Das ist kein Zufall, sondern hat einen ganz bestimmten Grund, der Autofahrer besonders wachsam machen sollte. Hier erfahren Sie, warum die Tiere jetzt besonders aktiv sind und wie Sie gefährliche Begegnungen vermeiden.
Es mag kontraintuitiv klingen: Während wir uns nach Wärme sehnen, sind Füchse bereits im tiefsten Winter auf Brautschau. Der Zoopädagoge Christian Dienemann vom Tiergarten Nürnberg erklärt, was es mit dieser „Ranzzeit“ auf sich hat und warum sie uns zu erhöhter Vorsicht mahnen sollte.
Warum die Ranzzeit im Winter beginnt
Der clevere Plan der Füchse
Der Nachwuchs der Füchse kommt etwa 50 Tage nach der Paarung zur Welt. Das bedeutet, die Paarung findet statt, damit die Jungen optimalerweise dann geboren werden, wenn die Temperaturen steigen und vermehrt Nahrung verfügbar ist. Denken Sie nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Fuchs: Es geht darum, dass die Kleinen in eine wärmere, nahrungsreichere Zeit schlüpfen, nicht darum, dass die Paarung selbst bei Kuscheltemperaturen stattfindet. Genial, wie die Natur das regelt!

Vorsicht auf den Straßen: Die Ranzzeit als Gefahrenquelle
Wanderfüchse auf Partnersuche
Das Verhalten der Füchse ändert sich während der Ranzzeit dramatisch. Normalerweise leben sie in festen Revieren, doch nun sind die Männchen verstärkt auf der Suche nach Weibchen. Diese sogenannten „Wanderfüchse“ oder „Ranzfüchse“ streifen umher, sind unvorsichtiger und bewegen sich zu unerwarteten Zeiten – nicht mehr nur in der Dämmerung oder nachts. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, plötzlich einem Fuchs vor das Auto zu bekommen, im Vergleich zum Rest des Jahres deutlich höher.
Wichtig für alle Autofahrer: In der Ranzzeit ist besondere Aufmerksamkeit geboten, besonders in wald- und feldreichen Gebieten. Füchse können blitzschnell die Richtung wechseln, weil sie einfach andere Prioriäten im Kopf haben als den Straßenverkehr.

Woher kommt der Begriff „Ranzzeit“?
Jägersprache und eine Spur Überraschung
„Ranzzeit“ ist ein Begriff aus der Jägersprache und bezeichnet schlicht die Paarungszeit von Wildtieren wie Füchsen oder Mardern. Wenn ein Tier „in der Ranz“ ist, sucht es aktiv nach einem Partner zur Fortpflanzung.
Die genaue Herkunft des Wortes ist nicht eindeutig geklärt, aber es gibt zwei faszinierende Erklärungsansätze:
- Möglicherweise leitet es sich vom lateinischen Wort „rancidus“ ab, was so viel wie „eklig“ oder „widerlich“ bedeutet. Früher wurde Füchsen fälschlicherweise nachgesagt, sie würden stinken, was bei Mardern tatsächlich der Fall ist.
- Eine andere Theorie besagt, der Begriff stamme von „Ranken“, dem Hin- und Herspringen von Tieren. Wenn sich Füchse paaren, springt das Männchen oft flatternd und tänzelnd um das Weibchen herum. Dieses „Ranken“ sieht man auch heute noch, ein geradezu niedliches Schauspiel.
Selbst in München, im Innenhof des Bayerischen Rundfunks, wurde dieses Verhalten schon beobachtet – ein Beweis dafür, dass Wildtiere auch in überraschenden Umgebungen ihren Platz finden.
