Immer mehr Menschen greifen zum Melatonin-Spray, um schneller einzuschlafen. Es wird als sanfte Lösung für Schlafprobleme angepriesen, doch die Realität könnte deutlich ernster sein. Eine aktuelle Studie aus den USA wirft beunruhigende Fragen über die langfristigen Auswirkungen von Melatonin-Präparaten auf. Lesen Sie jetzt, warum die vermeintlich harmlose Unterstützung beim Einschlafen Ihr Herzgesundheit gefährden könnte.
Ist Melatonin wirklich nur ein „Schlafhormon“?
Viele bezeichnen Melatonin als reines Schlafhormon, doch diese Annahme ist zu kurz gegriffen. Dr. Martin Schlott, ein erfahrener Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin sowie anerkannter Schlafcoach, erklärt: „Melatonin ist eher ein Dunkelhormon. Es signalisiert unserem Körper schlichtweg, dass es Nacht ist und Zeit zum Schlafen werden könnte. Aber es gibt noch zahlreiche andere Faktoren, die tatsächlich für einen erholsamen Schlaf sorgen.“
Alarmierende neue Erkenntnisse zur Herzgesundheit
Eine bahnbrechende US-Studie, die bald auf einer Konferenz der American Heart Association vorgestellt wird, liefert besorgniserregende Hinweise. Sie legt nahe, dass Menschen, die regelmäßig Melatonin-Präparate einnehmen, ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzschwäche haben. Für diese Untersuchung wurden die Gesundheitsdaten von über 130.000 Personen analysiert.
Wie effektiv sind Melatonin-Sprays wirklich?
Selbst wenn Melatonin das Einschlafen erleichtert, ist der Effekt oft geringer als erhofft. Stiftung Warentest hat die bisherige Studienlage ausgewertet und festgestellt: Zwar schlafen Anwender tatsächlich *etwas* schneller ein, die Wachliegezeit verkürzt sich aber im Durchschnitt nur um späte 10 bis maximal 20 Minuten. Ob und für wen Melatoninpräparate letztlich eine wirkliche Schlafhilfe darstellen, ist weiterhin unklar.
Wer profitiert – und wer sollte vorsichtig sein?
Die Einnahme von Melatonin-Präparaten wird von Experten vor allem für zwei Gruppen empfohlen:

- Menschen ab 55 Jahren mit Schlafstörungen, da die körpereigene Melatoninproduktion im Alter nachlassen kann.
- Personen im Schichtdienst oder nach Jetlag, um ihren natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus schneller zu rekalibrieren.
Für andere ist die Notwendigkeit fraglich und die Anwendung mit Risiken verbunden.
Das Problem mit frei verkäuflichen Melatonin-Präparaten
Während ein verschreibungspflichtiges Medikament (Circadin) in Deutschland zugelassen ist und 2 mg Melatonin zur Kurzzeitbehandlung ab 55 Jahren enthält, überschwemmen frei verkäufliche Produkte den Markt. Diese Mittel, oft als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) deklariert, unterliegen nicht denselben strengen Prüfungen.
Das bedeutet konkret:
- Hersteller müssen den gesundheitlichen Nutzen oder die Unbedenklichkeit nicht mit Studien belegen.
- Die Präparate werden nicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) geprüft.
Die empfohlene Tagesdosis vieler dieser NEM entspricht oder übersteigt sogar die übliche Dosierung zugelassener Arzneimittel.
Die unterschätzten Nebenwirkungen von Melatonin-Spray
Gerade die hochdosierten Sprays können bei falscher Anwendung erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen. Dr. Schlott warnt eindringlich: „Auch bei freiverkäuflichen Sprays kann man zu viel nehmen, wenn man die empfohlenen ein bis zwei Sprühstöße überschreitet. Das kann zu Kopfschmerzen, Nervosität und Magen-Darm-Beschwerden führen.“ Er rät strikt davon ab, Melatonin-Präparate über längere Zeiträume einzunehmen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mahnt ebenfalls zur Vorsicht:
- Selbst geringe Dosen von 1 mg Melatonin pro Tag können zu Schläfrigkeit und Unaufmerksamkeit am Folgetag, niedrigem Blutdruck, sinkender Körpertemperatur und Gangunsicherheit führen.
- Auch Albträume können durch niedrige Dosen gefördert werden.
Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch. Sie sollten von einer unkontrollierten Einnahme gänzlich absehen.

Wechselwirkungen: Ein tückischer Stolperstein
Melatonin-Präparate können mit einer Vielzahl von Medikamenten interagieren. Dazu zählen laut Arzneimittelverzeichnis Gelbe Liste unter anderem bestimmte Antidepressiva, spezielle Antibiotika und Mittel gegen Sodbrennen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte sich unbedingt ärztlich beraten lassen, bevor er zu Melatonin greift.
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose.
- Eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion.
Natürliche Alternativen für einen gesunden Schlaf
Statt auf chemische Helferlein zu setzen, gibt es bewährte natürliche Wege zu besserem Schlaf. Dr. Martin Schlott empfiehlt:
- Tageslichtexposition: Bewegung und Aufenthalt im Tageslicht fördern die Serotoninproduktion, die Vorstufe von Melatonin.
- Abendroutine: Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, dimmen Sie das Licht eine Stunde vor dem Zubettgehen und legen Sie das Handy weg.
Auch kleine Mengen an Melatonin finden sich in Lebensmitteln wie Sauerkirschen, Cranberries, Cashewkernen, Tomaten und Milch, aber hierfür müsste man extrem große Mengen konsumieren, um eine spürbare Wirkung zu erzielen.
Sie suchen nach Wegen, Ihren Schlaf auf natürliche Weise zu verbessern, ohne riskante Präparate? Was tun Sie persönlich für einen erholsamen Schlaf, der Sie gut durch den Tag bringt?
