Ein Stück frisch gebackenes Brot mit knuspriger Kruste – das ist für viele ein Festmahl. Doch greifen Sie zu den günstigen Angeboten im Supermarkt oder gönnen Sie sich das Besondere aus der Bäckerei um die Ecke? Ich habe mich gefragt, was wirklich hinter dem Brot steckt, das wir täglich essen, und es gibt mindestens fünf handfeste Gründe, warum Brot aus einer echten Handwerksbäckerei die bessere Wahl ist. Und nein, es geht nicht nur um den Geschmack.
Das Brot vom Discounter: Eine trügerische Sparsamkeit
Deutschland rühmt sich mit über 3.200 Brotsorten – Weltrekord! 2023 landeten im Schnitt 40,7 Kilo Brot auf jedem Tisch in deutschen Haushalten. Aber mal ehrlich: Wie oft greifen wir nicht doch zum schnellen, günstigen Brot aus dem Backshop oder Discounter? Hier liegt der entscheidende Unterschied: Während Handwerksbäcker alles selbst backen, werden in vielen Supermarkt-Filialen nur noch halbfertig gebackene und schockgefrostete Teigrohlinge aufgebacken. Das ist nicht nur weniger Handarbeit, sondern oft auch weniger Qualität.
Die Frage, die uns beschäftigt: Was ist wirklich drin?
Viele von uns fragen sich: Wenn eine kleine Bäckerei Fertigmischungen benutzt, ist das dann auch Industriebrot? Ich habe dazu mit Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale Bayern gesprochen. Ihre Antwort: Es ist komplizierter, als man denkt. Es gibt komplette Mischungen, zu denen man nur Wasser und Hefe zugeben muss. Es gibt aber auch Mischungen, bei denen nur das Mehl enthalten ist und der Bäcker eigene Ideen einbringen kann. Ob es sich um ein „Industriebrot“ handelt, lässt sich also nicht pauschal sagen – es kommt auf die Art der Mischung an.
Das Wichtigste für uns als Kunden: Ein Blick auf die Zutatenliste! Fragen Sie beim Bäcker nach. Nur so erkennen Sie, ob es sich um hochwertiges Brot handelt.

Warum die Zahl der Handwerksbäcker sinkt – und was das für uns bedeutet
Wenn wir uns nur vom Preis leiten lassen oder aus reiner Bequemlichkeit zum nächsten Discounter gehen, hat das ernste Folgen: Die traditionellen Handwerksbäckereien sterben aus. Von ehemals über 14.000 Betrieben im Jahr 2011 sind wir 2023 auf nur noch knapp 9.200 gesunken. Besonders auf dem Land kämpfen viele Bäcker ums Überleben – Stichwort gestiegene Energiepreise. Wenn wir diese Bäckereien nicht mehr unterstützen, verlieren wir nicht nur Brot, sondern auch ein Stück lokaler Kultur.
5 handfeste Gründe, warum Brot aus dem Handwerk besser ist
1. Längere Reifezeit = besser verträglich
Weizen als Sündenbock für Verdauungsprobleme? Oft liegt das Problem nicht am Mehl selbst, sondern an der Zubereitung des Teigs. Forscher der Uni Hohenheim fanden heraus: Eine längere Teigruhe baut Stoffe ab, die Blähungen und Bauchschmerzen verursachen können (sogenannte FODMAPs). Während Industrieteige oft nur eine Stunde gehen, gönnen Handwerksbäcker ihren Teigen viereinhalb Stunden – das reduziert die FODMAPs drastisch.
- Lange Teigführung bedeutet weniger FODMAPs.
- So werden auch Getreidesorten wie Emmer oder Dinkel, die oft nur von kleineren Bäckereien verarbeitet werden, besser bekömmlich.
2. Länger frisch und genießbar
Gute Teigführung sorgt nicht nur für Bekömmlichkeit, sondern auch dafür, dass das Brot nach dem Backen länger frisch bleibt. Bäckermeister Julius Brantner aus München erklärt: Durch die lange Ruhezeit verbinden sich Wasser und Mehl optimal. Das Wasser wird im Teig gebunden und verdampft beim Backen kaum. Das Ergebnis? Ein Brot, das Tage später noch schmeckt und nicht trocken ist.
3. Ein Geschmackserlebnis durch Handarbeit und Zeit
Der Geschmack eines Brotes entsteht nicht über Nacht. Er ist das Ergebnis von Können, Sorgfalt und vor allem: Zeit. Julius Brantner vergleicht es mit Wein: „Wenn ich heute Trauben ernte und presse, habe ich morgen auch keinen guten Wein.“ Gutes Brot braucht Zeit, damit sich natürliche Aromen entwickeln können. Die Kruste spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Durch langes, intensives Backen auf heißen Steinplatten bilden sich Röstaromen, die dem Brot seinen herzhaften Charakter geben.

- Lange Backzeit auf Steinplatten für intensive Röstaromen.
- Ein Handwerker weiß genau, wann das Brot perfekt ist.
4. Wenige, reine Zutaten statt Chemie-Cocktail
Ein gutes Brot braucht nur vier Zutaten: Mehl, Salz, Wasser und ein Backtriebmittel wie Hefe oder Sauerteig. Handwerksbäcker halten sich meist daran. Anders sieht es oft in der Massenproduktion aus: Hier kommen Zusatzstoffe wie Ascorbinsäure oder Enzyme zum Einsatz, um den Prozess zu beschleunigen, das Aussehen zu vereinheitlichen oder die Haltbarkeit zu verlängern. Diese sind oft nicht einmal auf der Zutatenliste zu finden!
Mein Tipp: Fragen Sie Ihren Bäcker nach der Zutatenliste. Ist sie länger als ein Telefonbuch, sollten Sie skeptisch werden. Achten Sie auch darauf, ob das Sortiment und die Mitarbeiteranzahl zusammenpassen. Ein kleiner Bäcker mit zehn verschiedenen Broten und unzähligen Kuchen? Da steckt oft mehr als nur Handarbeit dahinter.
5. Nachhaltigkeit durch regionale Zutaten
Viele Handwerksbäcker setzen auf regionale Zutaten. Sie beziehen ihr Mehl von lokalen Mühlen und arbeiten mit Landwirten aus der Nähe zusammen. Kurze Transportwege bedeuten weniger CO2-Ausstoß. Die Teiglinge aus dem Discounter hingegen haben oft eine weite Reise hinter sich – manchmal sogar aus China, wie man hört.
So finden Sie Ihren perfekten Bäcker: Nutzen Sie den Bäckerfinder des Deutschen Brotinstituts. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein und finden Sie ausgezeichnete Bäckereien in Ihrer Nähe.
Was ist Ihnen beim Brotkauf am wichtigsten? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!
