Fallen Sie nach einem langen Tag erschöpft ins Bett? Selten. Stattdessen zögern wir das Zubettgehen, obwohl wir uns nach Schlaf sehnen. Dieses seltsame Verhalten ist verbreitet, aber warum tun wir das? Und noch wichtiger: Wie durchbrechen wir diesen Kreislauf?
Wir haben uns mit Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley unterhalten, um die Geheimnisse hinter unserem Aufschub zu lüften und Wege zu finden, endlich erholsamen Schlaf zu finden.
Die heimliche Anziehungskraft der Couch
Angst, etwas zu verpassen
Den Tag nicht enden lassen wollen – das ist ein verbreitetes Gefühl. Wir fühlen uns besser unterhalten von der Glotze oder dem Smartphone als von den Gedanken, die beim Einschlafen auf uns warten.
Der Komfortfaktor
Die Couch ist oft unser gemütlicher Zufluchtsort. Sie ist weich, warm und einladend. Das Schlafzimmer hingegen wirkt manchmal nüchtern, kühler und weniger einladend, obwohl es allein zum Schlafen gedacht ist.
Das Bett als Endstation
Für viele bedeutet das Zubettgehen, den Tag endgültig abzuschließen. Um diesen Moment hinauszuzögern, dehnen wir die Zeit auf der Couch aus und unterbrechen so den natürlichen Übergang zum Schlaf.

Der Druck des Einschlafens
Wer das Bettgehen mit dem Druck gleichsetzt, sofort einschlafen zu müssen, setzt sich selbst unter Stress. Das Schlafzimmer bietet wenig Ablenkung, und diese Stille kann innere Unruhe hervorrufen, die uns wachhält.
Hier kann ein fester Zeitplan helfen: Legen Sie eine feste Zubettgehzeit fest. Ein kleines Einschlafritual, wie das Hören beruhigender Musik oder das Trinken warmer Milch, kann den Druck reduzieren.
Machen Sie Ihr Schlafzimmer zum Wohlfühlort: Auch kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen. Schönes, warmes Licht statt greller Deckenbeleuchtung kann Wunder wirken.
Was tun vor dem Schlafengehen?
Die Couch verführt uns zur Bequemlichkeit. Wenn wir uns einmal darauf niedergelassen haben, können alltägliche Aufgaben wie Zähneputzen oder das abendliche Ritual wie unüberwindbare Hürden erscheinen. Erledigen Sie diese Dinge lieber, bevor Sie sich auf der Couch niederlassen. So bleibt als einzige „Aufgabe“ nur noch der Weg ins Bett.

Was Sie am Abend meiden sollten
Bildschirmzeit
Das blaue Licht von Fernsehern und Smartphones kann unseren natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören. Versuchen Sie, mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen auf Bildschirme zu verzichten.
Spätes Essen und Trinken
Last-Minute-Snacks und übermäßiges Trinken können Ihren Schlaf erheblich beeinträchtigen. Ihr Verdauungssystem arbeitet auch dann noch, und nächtliche Toilettengänge sind vorprogrammiert. Achten Sie auf die Menge und vermeiden Sie schwere Mahlzeiten kurz vor dem Schlafen.
Die Tücke des Alkohols
Obwohl Alkohol beim Einschlafen helfen *kann*, stört er die Schlafqualität erheblich, sobald der Körper ihn abbaut. Die Folge sind unruhige Nächte.
Tipps für sanftes Einschlafen
- Hören Sie ruhig Vertonte Geschichten: Gedichte, Balladen oder bewusst monotone Podcasts können helfen, den Geist zu beruhigen.
- Sorgen Sie für ein Grundrauschen: Ein leises Hintergrundgeräusch, wie ein Ventilator oder ein spezielles Geräuschgerät, kann ablenkende Gedanken überdecken.
- Schaffen Sie klare Grenzen: Beenden Sie Telefonate und das Beantworten von E-Mails zu einer bestimmten Uhrzeit. Trennen Sie bewusst den Arbeits- oder Problemtag vom entspannten Abend.
Den Tag bewusst abzuschließen und dem Abend Raum für Entspannung zu geben, ist der Schlüssel zu erholsamer Nacht. Wie leicht fällt es Ihnen, den Tag wirklich hinter sich zu lassen?
