Fast jeder kennt sie: Die Kapseln mit Ashwagandha, Grüntee-Extrakt oder dem „Wundermittel“ Kurkuma. Viele Österreicher nehmen diese pflanzlichen Nahrungsergänzungen täglich, oft selbst verordnet und ohne jede Rücksprache. Wir glauben, wir tun unserem Körper etwas Gutes. Doch eine neue US-Studie enthüllt eine schockierende Wahrheit: Einige dieser vermeintlich harmlosen Mittel sind direkte Stressoren für unsere Leber. Wenn Sie gerade eine dieser Substanzen nehmen, müssen Sie diesen Artikel jetzt lesen.
Die Leber ist unser körpereigener „Reiniger“. Wenn sie plötzlich erhöhte Werte zeigt, suchen Ärzte meist nach Alkohol oder viralen Infektionen. Doch ich habe in meiner Praxis beobachtet, dass die Ursache oft in der Küche oder im Medizinschrank liegt – präziser, in pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Das Problem ist massiv, und wir sprechen zu wenig darüber.
Der Insider-Blick: Darum ist die Selbstmedikation so gefährlich
Viele von uns greifen zu pflanzlichen Mitteln gegen Gelenkschmerzen (Curcumin), Schlafstörungen (Ashwagandha) oder Wechseljahresbeschwerden (Traubensilberkerze). Die Annahme: Was aus der Natur kommt, kann nicht schaden. Leider ist das ein Trugschluss.
Eine aktuelle Analyse aus den USA (August 2024) hat dramatische Zahlen geliefert: Bereits ein Fünftel der akuten Leberversagen dort sind auf die Einnahme von pflanzlichen NEM zurückzuführen. Das ist keine Theorie mehr; das ist Realität.
Warum diese Mittel zum Problem werden können:
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Hohe Dosierung: Was als Tee harmlos ist, kann in hochkonzentrierter Kapselform zur Überlastung werden.
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Regulierungslücke: In Österreich und der gesamten EU gelten NEMs als Lebensmittel, nicht als Arzneimittel. Die Hersteller müssen daher nicht beweisen, dass ihr Produkt sicher ist, anders als bei Medikamenten.
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Verunreinigungen: Oft stecken im Endprodukt nicht nur die beworbenen Wirkstoffe, sondern auch unerwünschte Substanzen, die bei der Herstellung entstehen und die Leber zusätzlich belasten können.
Sechs populäre Pflanzenstoffe, die Ihre Leberwerte steigen lassen können
Obwohl Ashwagandha, Curcumin und Co. für ihre positiven Eigenschaften gefeiert werden, sehen Mediziner eine klare Korrelation zwischen ihrer Einnahme und Leberschädigungen. Diese sechs Stoffe betreffen uns in Europa besonders, da sie hier stark im Trend liegen:

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Curcumin / Kurkuma: Gehyped als das entzündungshemmende Mittel schlechthin. In großen Mengen kann es jedoch zu Leberreaktionen führen.
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Grüntee-Extrakt: Oft in Fatburner-Kapseln enthalten. Hochdosiert ist es ein bekannter Leberstressor.
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Ashwagandha: Beliebt gegen Stress und Schlafstörungen. Hier gibt es immer wieder Berichte über Leberschädigungen.
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Garcinia Cambogia / Tamarinde: Wird aggressiv als Schlankheitsmittel beworben. Dieses Mittel steht besonders oft im Verdacht.
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Traubensilberkerze (Cimicifuga): Ein häufig verwendetes Mittel bei Frauen in den Wechseljahren.
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Rotschimmelreis: Soll den Cholesterinspiegel senken, ist aber umstritten, da auch hier Leberschäden dokumentiert wurden.
Viele der beworbenen Wirkungen dieser Mittel sind wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen. Die Leberschäden hingegen schon. Man könnte sagen, es ist wie ein teurer Kaffee ohne Koffein: Sie hoffen auf einen Effekt, riskieren aber ungewollte Nebenwirkungen.
Der einzig sichere Life-Hack beim Thema Nahrungsergänzung
Nehmen wir an, Sie sehen bei Ihrem nächsten Check-up erhöhte Leberwerte. Der Arzt fragt: „Trinken Sie viel?“ Ihre Antwort ist „Nein.“ Das Gespräch könnte hier enden, und die eigentliche Ursache bleibt unentdeckt.
Mein dringender Rat, den viele übersehen:
Wenn Ihre Leberwerte unerklärlich hoch sind oder wenn Sie einfach nur präventiv NEMs nehmen möchten, führen Sie eine
„Nahrungsergänzungs-Tagebuch“.

Bei jedem Arztbesuch – egal, ob es um ein Zipperlein oder um einen Routine-Check geht – legen Sie Ihrem Hausarzt diese Liste unaufgefordert vor. Und zwar die komplette Liste:
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Welches Mittel?
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Welche Dosierung?
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Wie lange nehmen Sie es schon?
Nur wenn Ärzte gezielt nachfragen (oder Sie proaktiv informieren), kommt dieser Zusammenhang ans Licht. Dr. Birgit Terjung, eine Spezialistin für Gastroenterologie, bestätigt das aus ihrem Klinik-Alltag: „Wir fragen immer gezielt nach und erstaunlich häufig bekommen wir dann die Angabe, dass Kurkuma oder Grüntee in größeren Mengen eingenommen wurden.“
Denken Sie daran: Sie sind der einzige Mensch, der das große Ganze über Ihren Körper weiß. Speziell in Österreich, wo die Apotheken- und Drogerie-Regale mit diesen Mitteln überquellen, müssen wir selbst die Verantwortung übernehmen.
Fazit: Weniger ist oft mehr
Pflanzliche Mittel versprechen oft schnelle Hilfe bei chronischen Beschwerden. Bevor Sie jedoch zur Kapsel greifen, um zum Beispiel Ihren Cholesterinspiegel zu senken oder besser zu schlafen, sollten Sie sich bewusst machen: Auch Naturstoffe sind Wirkstoffe. Und Wirkstoffe können Nebenwirkungen haben, besonders wenn sie als hochkonzentrierter Extrakt vorliegen.
Besprechen Sie jede geplante Einnahme mit Ihrem Arzt. Er kann Ihre individuellen Risikofaktoren besser einschätzen als jede Werbung im Internet.
Nehmen Sie selbst gerade Ashwagandha oder Kurkuma? Hatten Sie schon einmal unerklärlich erhöhte Leberwerte? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen in den Kommentaren.
