Der versteckte Nachteil: Warum viele Österreicher im Winter im zweiten Gang starten

Der versteckte Nachteil: Warum viele Österreicher im Winter im zweiten Gang starten

Es ist der klassische Trick, den Ihnen jeder alte Hase in Österreich beibringt, wenn die ersten Flocken fallen und die Straße zum Eislaufplatz wird: Starten Sie im zweiten Gang, um auf Glatteis wegzukommen. Auf den ersten Blick scheint das die perfekte Notlösung zu sein, wenn die Räder im Ersten nur durchdrehen und Sie nicht von der Stelle kommen.

Aber in meiner Praxis als Autofahrer und jemand, der sich intensiv mit Fahrzeugtechnik beschäftigt, habe ich oft bemerkt, dass dieser „Lifehack“ einen versteckten Preis hat. Wenn Sie das falsch oder zu oft machen, riskieren Sie eine teure Reparatur, die Sie leicht vermeiden könnten. Lesen Sie, in welchen Momenten Sie diesen Trick anwenden müssen – und wann er Ihrem Auto wirklich schadet.

Der „Anfahr-Trick“: Warum der zweite Gang überhaupt funktioniert

Der Mechanismus ist genial einfach und hat nichts mit Voodoo zu tun. Beim Starten im ersten Gang wird die gesamte Kraft des Motors schnell und konzentriert auf die Räder übertragen. Auf Schnee oder Eis führt das sofort zum Durchdrehen, weil die Haftung fehlt. Es ist, als würden Sie versuchen, einen harten Gegenstand mit einem Schlagbohrer zu bearbeiten – die Kraft ist zu schnell.

Wenn Sie jedoch den zweiten Gang wählen, passiert Folgendes:

  • Die Kraft wird sanfter verteilt: Der zweite Gang hat eine längere Übersetzung.

  • Reduziertes Drehmoment: Es kommt weniger Drehmoment an den Rädern an, was das Durchdrehen verhindert.

  • Besserer Grip (Haftung): Die Räder können sich langsamer drehen und finden so leichter Halt auf dem glatten Untergrund.

Der ADAC bestätigt: Das ist ein legitimer Weg, um von einem vereisten Parkplatz oder einer verschneiten Gasse in Innsbruck wegzukommen.

Die „Wenig-Wissen“-Gefahr: Der Preis für Ihre Kupplung

Hier kommt der Haken, den viele Autofahrer in Österreich ignorieren – oder gar nicht kennen. Der zweite Gang ist zwar schwächer im Anfahren, aber er erfordert von Ihnen, dass Sie die Kupplung deutlich länger schleifen lassen (langsamer kommen lassen), damit der Motor nicht abstirbt.

Der versteckte Nachteil: Warum viele Österreicher im Winter im zweiten Gang starten - image 1

Und genau dieses längere Schleifen ist der Hitzetod für Ihre Kupplung.

Stellen Sie sich die Kupplung wie einen Reibbelag vor, der zwei rotierende Scheiben zusammenbringt. Im zweiten Gang, besonders beim Starten, wirken größere Kräfte auf diese Reibelemente. Das führt zu:

  • Erhitzung: Durch die stärkere Reibung entsteht enorme Hitze.

  • Übermäßiger Verschleiß: Der Belag nutzt sich viel schneller ab, als bei einem normalen Start im ersten Gang.

  • Potenzielle Notlauf-Kosten: Eine neue Kupplung in der Werkstatt kann schnell über tausend Euro kosten.

Die goldene Regel: Nur im Notfall anwenden

In meiner Erfahrung ist der zweite Gang ein Notfall-Trick, kein Standardverfahren. Versuchen Sie immer zuerst, ganz normal und besonders sanft im ersten Gang anzufahren. Nur wenn Sie merken, dass die Räder sofort durchdrehen und Sie auf der Stelle feststecken, greifen Sie zum zweiten Gang.

Das ist das schonendste Verfahren für Ihr Auto, da Sie den ersten Gang im Grunde gar nicht brauchen, um von der Stelle zu kommen.

Wenn Sie ein Automatikfahrer sind: Die Sporteinstellung ist Ihr Feind

Viele von uns fahren heute Automatikgetriebe. Das Problem des zweiten Gangs entfällt hier scheinbar, aber es gibt eine andere wichtige Regel, die Sie in Kärnten oder der Steiermark im Winter beachten müssen: Die Sporteinstellung.

Der Sport-Modus (oft mit „S“ gekennzeichnet) sorgt dafür, dass das Auto die Gänge höher ausfährt. Das heißt, es schaltet später, um mehr Leistung zu haben. Auf Glatteis ist das absolut kontraproduktiv, da die späte Schaltung zu viel Kraft auf einmal freisetzt und die Räder sofort durchdrehen lässt. Ich habe bei Testfahrten oft festgestellt, dass Automatikfahrzeuge im Schnee am besten im normalen (oder falls vorhanden, im Winter-) Modus starten, da dieser die Schaltpunkte früher setzt und sanfter beschleunigt.

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Der „Holländer Griff“: Ein Lifehack für mehr Sicherheit, den Sie sich angewöhnen sollten

Zum Abschluss noch ein wichtiger Sicherheitstipp für alle Autofahrer in Österreich, besonders in dicht besiedelten Gebieten wie Wien oder Graz. Beim Aussteigen übersehen viele von uns Fahrradfahrer oder Fußgänger, die auf dem Gehweg unterwegs sind.

Der sogenannte „Holländer Griff“ zwingt Sie, den Kopf zu drehen und den toten Winkel zu überprüfen. Und so funktioniert’s:

  • Nehmen Sie die Tür nicht mit der linken Hand (als Fahrer).

  • Benutzen Sie stattdessen die rechte Hand zum Öffnen.

  • Da Sie mit der rechten Hand die linke Tür öffnen, dreht sich Ihr Oberkörper automatisch. Dadurch blicken Sie intuitiv über die Schulter und sehen, ob sich ein Radfahrer nähert.

Diese kleine Gewohnheit kann Leben retten. Es ist ein minimaler Aufwand mit maximaler Wirkung.

Fazit

Der Start im zweiten Gang ist ein nützlicher Rettungsanker bei Glatteis, aber er sollte die Ausnahme bleiben. Schonen Sie Ihre Kupplung, indem Sie diesen Trick nur anwenden, wenn der erste Gang absolut versagt. Und schalten Sie bei Automatikgetrieben den Sportmodus aus, wenn Sie mit Matsch oder Schnee konfrontiert sind. Bleiben Sie sicher auf den heimischen Straßen!

Welchen Winter-Fahrlifehack haben Sie von Ihren Eltern gelernt, der sich im Nachhinein als riskant herausgestellt hat?

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