Sie haben die knirschenden Geräusche gehört oder die frische Spur beim morgendlichen Blick aus dem Fenster entdeckt: Irgendein Tier war da. Aber war es ein harmloser Hase oder vielleicht doch ein schlauer Fuchs? Die meisten von uns sehen im Schnee nur einen undefinierbaren Abdruck. Ich zeige Ihnen, wie Sie in nur zwei Minuten zum Spurendetektiv werden. Das ist nicht nur ein spannendes Hobby für kalte Tage, sondern oft wichtig, um zu wissen, wer sich in der Nähe Ihres Hauses in Österreich aufhält. Lesen Sie jetzt weiter, denn dieses Wissen ist essentiell, bevor der nächste Schnee die Indizien verwischt.
Der Insider-Trick: Darum ist die Gangart wichtiger als der Abdruck
Viele konzentrieren sich nur auf die Form der Pfote – ein Fehler. Um Tierspuren im Schnee richtig zuzuordnen, müssen Sie die gesamte Anordnung der Abdrücke beachten. Das ist die sogenannte Gangart. Sie verrät uns nicht nur, welches Tier vorbeikam, sondern auch, was es gerade tat.
Als ich das erste Mal die Spuren eines Rehs von denen eines Wildschweins unterscheiden musste, dachte ich, es sei unmöglich. Aber die Gangart lüftet das Geheimnis:
- War das Tier auf der Flucht (weit auseinander liegende, versetzte Abdrücke)?
- War es gemütlich auf einem Streifzug (gleichmäßige, nahe beieinander liegende Abdrücke)?
- Sogar die Geschwindigkeit lässt sich ablesen.
Kralle oder kein Kralle: So entlarven Sie Fuchs, Hund und Katze
Hund, Fuchs, Marder und Katze sind sogenannte Zehengänger. Das bedeutet, sie hinterlassen Abdrücke mit vier Zehen und einem Hauptballen. Die Unterschiede sind subtiler, aber entscheidend:
Die Fuchs-Falle:

Die Spur des Fuchses wirkt meist schmal und „zielgerichteter“ als die des Hundes. Der Fuchs setzt seine Pfoten fast in einer perfekten Linie, was man als „geschnürt“ bezeichnet. Oft sieht man die Krallenabdrücke.
Das Geheimnis der Katze:
Während Hund und Fuchs Krallen zeigen, zieht die Katze ihre Krallen beim Gehen ein. Finden Sie eine vierzehige Spur ohne Krallenabdrücke, war es fast sicher eine Katze. Das ist der einfachste Unterschied, den Sie sich merken können, wenn Sie im Wienerwald oder in den Salzburger Gärten unterwegs sind.
Die eindeutigen Spuren der Huftiere: Hase, Reh und Wildschwein
Bei den Huftieren wird die Identifikation einfacher, da die Abdrücke markanter sind. Hier gibt es fast keine Verwechslungsgefahr, wenn man die Größe außer Acht lässt.
Hase (oder der T-förmige Abdruck)
Hasenspuren sind durch ihre Anordnung sofort zu identifizieren. Sie sehen praktisch wie ein „T“ aus oder wie ein kleines Dreieck. Das liegt daran, dass der Hase seine Hinterpfoten beim Absprung über die Vorderpfoten setzt. Sie sehen zwei kleine (Vorderpfoten) und zwei große, parallel liegende Abdrücke (Hinterpfoten), die nach vorne zeigen.

Reh vs. Wildschwein: Der feine Unterschied der Paarhufer
Sowohl Rehe als auch Wildschweine sind Paarhufer – sie treten auf ihren vorderen beiden Zehen, den sogenannten Schalen. Gerade in den Wäldern der Steiermark ist es wichtig, die beiden zu unterscheiden, da Wildschweine oft in Rotten unterwegs sind.
- Rehspuren: Sie sind schlanker und spitzer. Ein Reh tritt auf den vorderen beiden Zehenspitzen.
- Wildschweinspuren: Diese sind breiter und runder. Das Erkennungsmerkmal sind die „Afterklauen“ (die kleinen Zehen hinten). Diese kleinen Abdrücke sind besonders gut sichtbar, wenn der Schnee tief ist. Ein langsames Reh kann diese Afterklauen ebenfalls zeigen, aber beim Wildschwein sind sie präsenter.
Praktischer Lifehack für die Spurenmessung: Sie müssen die Spur nicht mit einem Messband vermessen. Benutzen Sie einfach Ihren Daumen oder einen Schlüssel. Merken Sie sich: Ist die Spur nur so lang wie Ihr Daumen (ca. 4-6 cm), könnte es ein Fuchs sein. Ist es deutlich länger (7-8 cm und mehr), handelt es sich wahrscheinlich um ein Rehbock oder ein Wildschwein.
Die große Herausforderung: Wenn die Spur undeutlich wird
Ich habe in meiner Praxis bemerkt, dass viele die Geduld verlieren, wenn der Schnee verweht oder angetaut ist. Spurenlesen ist nie eine exakte Wissenschaft, besonders in den österreichischen Gebirgsregionen, wo Winde schnell zuschlagen. Manchmal ist der Abdruck eines langsam ziehenden Rehs kaum von dem eines kleinen Wildschweins zu unterscheiden, wenn die Afterklauen nicht zu sehen sind.
Aber es gibt eine Regel: Beobachten Sie die gesamte Kette. Eine einzelne, undeutliche Spur erzählt Ihnen wenig, aber eine Kette von 10-20 Schritten enthüllt die ganze Geschichte des Tieres – seine Richtung, sein Tempo und seine Gangart. Das ist es, was das Spurenlesen zu einem so wunderbaren und achtsamen Hobby macht.
Haben Sie in diesem Winter schon eine eindeutige Tierspur in Österreich entdeckt, die Sie verblüfft hat? Welches Tier war es und wie haben Sie es erkannt? Teilen Sie Ihre Beobachtungen in den Kommentaren; vielleicht können wir uns gegenseitig zu besseren Spurendetektiven machen!
