Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal von einer Tradition gehört, die angeblich die Pest besiegte und nur alle sieben Jahre stattfindet? Wenn Sie aus Österreich oder Bayern kommen, wissen Sie, wovon ich spreche – der Schäfflertanz. Dieses Ritual aus der Zunft der Fassmacher ist wohl das spezifischste kulturelle Ereignis, das die Region zu bieten hat.
Aber es gibt einen Haken: Da dieser Tanz so selten ist, verpassen ihn die meisten Menschen einfach. 2026 ist das nächste Mal. Das bedeutet, Sie müssen jetzt genau wissen, wann und wo die Tänzer auftreten, sonst warten Sie bis 2033. Ich zeige Ihnen, was Sie über die Termine, die Hintergründe und die verrückten Kostüme wissen müssen.
Der Sieben-Jahres-Zyklus: Warum diese strenge Regel?
Viele halten das für Aberglauben, aber der Sieben-Jahres-Rhythmus wird seit Jahrhunderten streng eingehalten. Man könnte meinen, das ist wie beim Siebenschläfer, der sich versteckt – aber hier ist die Wahrheit viel komplizierter und spannender.
Die populärste Geschichte, die auch heute noch am besten „zieht“, ist die Verbindung zur großen Pestepidemie von 1517. Angeblich sollte der Tanz die verängstigte Bevölkerung wieder aus ihren Häusern locken und Lebensmut verbreiten. Es ist eine herrliche Story, aber Historiker bezweifeln, dass es so war.
Hier ist das, was wir wirklich wissen:
- Die erste gesicherte Erwähnung des Tanzes in Münchner Archiven stammt von 1702.
- Seit 1760 ist belegt, dass er alle sieben Jahre in der Faschingszeit stattfindet.
- Die Tänze beginnen traditionell am Dreikönigstag (6. Januar) und enden am Faschingsdienstag.
Und hier ist der Witz: Eine andere Überlieferung besagt, dass Herzog Wilhelm IV. einfach genug von den ständigen Zunftfesten hatte und den Schäfflern nur dieses seltene Zeitfenster zugestand. Manchmal ist die langweiligste Erklärung die wahre, aber die Pest-Legende ist viel besser fürs Marketing, nicht wahr?

Notieren Sie sich den Kalender: München wird 2026 zur Bühne
Für 2026 sind die Termine fest: Die Schäffler tanzen vom 6. Januar bis zum 17. Februar. Der Fachverein der Münchner Schäffler rechnet mit rund 400 Auftritten. Das ist eine logistische Meisterleistung, vergleichbar mit der Planung des nächsten Wiener Opernballs, aber auf der Straße.
Der Startschuss fällt am 6. Januar (Heilige Drei Könige). Wenn Sie den Auftakt miterleben wollen, sollten Sie frühzeitig planen:
- 12:00 Uhr: Gottesdienst am Rindermarkt.
- 13:00 Uhr: Standkonzert auf dem Marienplatz.
Achtung: Die genauen, detaillierten Termine für Schulen, Firmen und lokale Plätze sind oft nur Fachvereinsmitgliedern oder sehr aufmerksamen Zeitungslesern bekannt. Wenn Sie die Schäffler nicht an den Hauptplätzen verpassen wollen, müssen Sie die lokalen Ankündigungen in Österreich und Altbayern aufmerksam verfolgen. Das Gefühl, einen dieser seltenen Auftritte zu erwischen, ist unbezahlbar.
Die Insider-Vibes: Wer tanzen darf und die Rolle des Kasperl
Wenn ich mir die Kostüme anschaue – rote Jacken, schwarze Kniebundhosen, Lederschürze und Kappe – merke ich sofort, dass hier Stil und spezifisches Handwerk aufeinandertreffen. Aber der wichtigste Teil der Kleidung ist das sogenannte „Pestband“, das quer über die Brust getragen wird und direkt an die alte Legende erinnert.
Was passiert wirklich im Tanz? Der Reifenschwinger zeigt sein Können.
Der Tanz selbst ist ein präzises, von Generation zu Generation weitergegebenes Ballett mit bogenförmigen Buchskränzen. Aber die Show wird erst durch die Nebenrollen richtig aufregend:
- Die Fassschläger: Schlagen rhythmisch auf Holzfässer und erinnern an das Zunfthandwerk.
- Der Fähnrich: Trägt die Fahne, der feierliche Teil.
- Die Kasperl (die wahren Stars): Sie bemalen die Zuschauer mit einem Kohlestrich. Das soll Glück bringen. Ich persönlich habe es einmal erlebt, und es fühlte sich an wie eine spontane Segnung.
Aber der größte Aha-Moment ist der Reifenschwinger.

Der Reifenschwinger hält einen Holzbogen mit einem Schnapsglas, das in einer kleinen Einkerbung befestigt ist. Die Kunst besteht darin, diesen Bogen zu schwingen, ohne auch nur einen Tropfen des Schnapses zu verschütten. Nach seiner Ansprache trinkt er ihn aus und wirft das Glas rücklings weg – ein Kasperl muss es dann mit seiner Mütze auffangen. Das ist Präzision und Spektakel in einem!
Vom Fassbauer zum Jedermann: Die Regeländerungen
Ursprünglich durften nur unverheiratete Schäfflergesellen tanzen – also junge Männer in der Ausbildung zum Fassbauer. Meister oder deren Söhne waren ausgeschlossen. Aber jetzt kommt die moderne Wendung: Da das Handwerk der Fassbauer immer seltener wird (denken Sie an moderne österreichische Braukessel statt Holzfässer), musste die Tradition geöffnet werden.
Seit den 1960er-Jahren dürfen auch verheiratete Männer und Männer aus anderen Berufen mittanzen. Wollen Sie Teil der nächsten Saison 2026 werden? Dann melden Sie sich beim Schäfflerverein – die Entscheidung, wer tanzen darf, ist allerdings intern und wird nur an engagierte Mitglieder vergeben.
Aber es gibt einen Nuance: Nicht überall tanzen die Schäffler gleichzeitig.
Durch wandernde Gesellen verbreitete sich der Brauch ab 1830 in ganz Altbayern und Teilen Österreichs. Viele lokale Vereine übernahmen den Turnus. Andere begannen einen eigenen Zyklus. Das bedeutet, mancherorts tanzen die Schäffler erst 2027 wieder. Fragen Sie immer lokal nach, um kein Jahr umsonst zu warten!
Die wichtigste Erkenntnis für Sie:
Der Schäfflertanz ist nicht nur ein hübscher Brauch. Er ist ein seltenes, lebendiges Dokument der Geschichte, das uns daran erinnert, wie Gemeinschaften in Krisenzeiten (ob Pest oder einfach nur Langeweile) wieder zusammenfanden. Es ist ein Kontrastprogramm zum hektischen digitalen Leben, ein Moment, in dem die Zeit stillsteht.
Werden Sie 2026 dabei sein, um sich vom Kasperl das Glück ins Gesicht malen zu lassen? Oder lassen Sie diese seltene Gelegenheit erneut verstreichen?
