Es liegt in der Fernbedienung, in der Spielzeugkiste oder in der alten Taschenlampe: Diese weiße oder grünliche Kruste, die sich plötzlich um die Batteriepole bildet. Viele von uns sehen das als lästiges Ärgernis ab, vielleicht als Zeichen, dass das Gerät kaputt ist. Aber ich habe in meiner Praxis bemerkt, dass die meisten die wahre Gefahr, die von diesen kristallisierten Resten ausgeht, massiv unterschätzen.
Bevor Sie jetzt mit einem Küchenpapier draufloswischen, lesen Sie diesen Artikel. Ich zeige Ihnen, was diese Kruste wirklich ist (Achtung: Es ist ätzender, als Sie denken) und wie Sie das Batteriefach reinigen, ohne Ihre Haut zu gefährden oder das Gerät endgültig zu ruinieren. Es geht um Ihre Gesundheit und um die Frage, ob Ihr teures Gadget noch zu retten ist.
Warum Ihre Fernbedienung plötzlich „kotzt“: Was genau läuft da aus?
Wir nennen es „ausgelaufene Batterie“. Aber was wir wirklich sehen, ist das Ergebnis eines chemischen Prozesses. Die Substanz, die austritt, ist der sogenannte Elektrolyt. Bei älteren Zink-Kohle-Batterien oder den heute üblichen Alkali-Mangan-Batterien sind das unterschiedliche Stoffe (meist Ammoniumchlorid oder Kaliumhydroxid), aber eines haben sie gemeinsam: Sie sind stark reizend.
Der Mechanismus ist tückisch: Die Zinkhülle der Batterie wird mit der Zeit abgebaut, besonders wenn die Batterie komplett entladen ist und lange im Gerät bleibt. Es entstehen winzige, kaum sichtbare Risse, durch die die Flüssigkeit entweicht. An der Luft kristallisiert diese Flüssigkeit zu der gefürchteten weißen Kruste.
Warum diese Kruste ätzend ist
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Bei Alkali-Batterien handelt es sich um Kaliumhydroxid. Das ist eine sehr starke Lauge, die ätzend wirkt.
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Bei Kontakt mit der Haut kann es zu Reizungen kommen. Gelangen die Kristalle in die Augen, kann das ernste Folgen haben.
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Viele übersehen: Gerade Kinder, die mit altem Spielzeug hantieren, können die Substanz leicht in den Mund bekommen. Das kann zu Verätzungen der Schleimhäute führen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont zu Recht: Haut- und Augenkontakt muss vermieden werden. Nehmen Sie das nicht auf die leichte Schulter.

Der 3-Schritte-Notfallplan: Wie Sie Ihr Gerät retten
Panik ist unsinnig, aber das richtige Vorgehen ist essenziell. Viele begehen den Fehler, die Kruste trocken wegzuwischen oder sogar hineinzupusten. Das verteilt nur die ätzenden Partikel in der Luft und auf der Oberfläche. Hier ist die schnelle, sichere Methode.
Schritt 1: Absicherung und Entnahme
Ziehen Sie unbedingt Haushaltshandschuhe an (am besten Einweghandschuhe) und sorgen Sie für eine gute Belüftung. Entfernen Sie dann die ausgelaufene Batterie vorsichtig aus dem Fach. Berühren Sie die Pole des Geräts so wenig wie möglich.
Wichtige Sofortmaßnahme: Falls die Substanz auf Ihre Haut gelangt, sofort gründlich mit viel Wasser abspülen. Bei Augen- oder Mundkontakt sofort einen Arzt aufsuchen oder die Vergiftungszentrale anrufen.
Schritt 2: Die Reinigung (Der Lifehack, den Sie kennen müssen)
Die gute Nachricht: Die ausgetretenen Stoffe sind wasserlöslich! Das macht die Reinigung relativ einfach.
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Nehmen Sie ein leicht feuchtes Tuch oder Wattestäbchen.
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Befeuchten Sie die Kruste vorsichtig, um sie aufzulösen.
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Wischen Sie die angelöste Substanz Schicht für Schicht ab. Arbeiten Sie präzise und vermeiden Sie, dass die Flüssigkeit tiefer in das Gerät eindringt.
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Bei hartnäckigen Resten auf den Metallkontakten können Sie vorsichtig ein wenig Essig (bei Alkali-Batterien) oder Zitronensaft (bei Zink-Kohle-Batterien) auf das Wattestäbchen geben, um die Verkrustung zu neutralisieren und zu lösen. Aber nur Sparsamst einsetzen und danach gut trocknen!
Schritt 3: Kontakte wiederherstellen
Die größte Gefahr für Ihr Gerät sind korrodierte Kontakte. Wenn die Metalloberfläche der Pole stark angegriffen ist, kann der Strom nicht mehr fließen.

Ist nur eine leichte Korrosion vorhanden, können Sie versuchen, die Kruste vorsichtig mit einer feinen Nagelfeile oder einem Glasfaserstift abzuschleifen, bis das Metall wieder blank und glänzend ist. Ohne diesen Metallkontakt funktioniert nichts. Ist die Zerstörung zu tiefgreifend, ist das Gerät leider oft ein Fall für den Wertstoffhof.
Die Prävention: Wie es erst gar nicht so weit kommt
Heutzutage ist die Gefahr ohnehin geringer als früher, da Alkali-Batterien seltener auslaufen als die alten Zink-Kohle-Modelle. Aber ganz verhindern lässt es sich nicht, besonders wenn Batterien komplett entladen sind.
Hier kommt der wichtigste Tipp, den viele in Österreich im Keller oder auf dem Dachboden vergessen: Nehmen Sie Batterien aus Geräten, die Sie länger als zwei Monate nicht benutzen werden! Denken Sie an die Christbaumbeleuchtung, das Spielzeug, die Notfall-Taschenlampe oder das Radio, das nur im Sommer läuft. Diese Geräte sind die häufigsten Opfer.
Wohin mit den „Problem“-Batterien? Ein Appell
Ausgelaufene oder leere Batterien gehören niemals in den Restmüll. Viele Inhaltsstoffe sind hochgiftig oder umweltschädlich. Supermärkte, Drogerien und Elektrofachmärkte (sowohl in Wien, Graz als auch in jedem kleinen Spar oder Billa) sind gesetzlich verpflichtet, Altbatterien zurückzunehmen – völlig egal, ob sie ausgelaufen sind oder nicht. Tun Sie der Umwelt und den Mitarbeitern im Müllwerk einen Gefallen und entsorgen Sie diese korrekt.
Fazit und Ihre Erfahrung
Die weiße Kruste im Batteriefach ist mehr als nur ein Schönheitsfehler; sie ist ein Warnsignal und im schlimmsten Fall eine Lauge oder Säure. Mit dem richtigen Vorgehen schützen Sie sich und verlängern die Lebensdauer Ihrer Elektronik.
Ist Ihnen das auch schon passiert? Haben Sie ein besonders wertvolles Stück wegen ausgelaufener Batterien verloren? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren, um andere zu warnen!
