Darum verträgt Ihr Körper Alkohol schlechter, je älter Sie werden

Darum verträgt Ihr Körper Alkohol schlechter, je älter Sie werden

Kennen Sie das? Früher konnten Sie auf der ‚Wiesn‘ noch locker einen ganzen Abend durchfeiern. Heute reicht schon ein halbes Glas Wein beim „Heurigen“ – und man spürt es am nächsten Morgen. Dieses Phänomen ist frustrierend und wird oft als „Alterserscheinung“ abgetan. Aber es steckt mehr dahinter.

In den letzten Jahren habe ich in meiner Praxis bemerkt, wie viele Österreicher genau diese Frage stellen: Warum vertrage ich keinen Alkohol mehr? Die Antwort ist nicht nur eine Frage der Leber, sondern ein Zusammenspiel von drei überraschend spezifischen Prozessen, die jeder kennen sollte. Denn es geht nicht nur um den Kater, sondern um Ihre langfristige Fitness.

Der versteckte Mechanismus: Darum steigt der Pegel schneller

Viele glauben, dass der Körper im Alter Alkohol nur langsamer abbaut. Das stimmt, aber es ist nur die halbe Miete. Der wahre Game-Changer ist unser Wasserhaushalt.

Ihr Körper besteht größtenteils aus Wasser. Bei jungen Erwachsenen liegt dieser Anteil hoch, was bedeutet, dass der aufgenommene Alkohol stark verdünnt wird. Es funktioniert wie ein großer, voller Pool.

Aber hier ist der Haken:

Darum verträgt Ihr Körper Alkohol schlechter, je älter Sie werden - image 1

  • Mit zunehmendem Alter können unsere Körperzellen Wasser nicht mehr so gut speichern.
  • Der prozentuale Wasseranteil im Körper sinkt. Bei Frauen ab 60 kann er von über 60% auf nur noch 50% fallen, bei Männern etwas weniger dramatisch.

Was passiert, wenn Sie nun denselben „Achterl Wein“ trinken? Hausärzte weisen darauf hin, dass die Alkoholmenge, die ins Blut gelangt, einfach weniger verdünnt ist. Der Alkoholspiegel steigt im Blut schneller an. Das Ergebnis: Sie sind schneller betrunken und spüren die Wirkung heftiger, selbst wenn Sie gar nicht mehr getrunken haben als früher.

Achtung, Frauen! Das doppelte Dilemma

Es gibt einen zusätzlichen Faktor, den viele übersehen: Frauen sind quasi doppelt betroffen. Frauen haben von Natur aus weniger eines bestimmten Magenenzyms, welches für den Abbau von Alkohol verantwortlich ist. Zusammen mit dem geringeren Wasseranteil bedeutet dies, dass bei gleichem Konsum Frauen deutlich schneller hohe Blutalkoholwerte erreichen.

Wie sich die „Entgiftungsstation“ Leber verlangsamt

Der zweite Grund ist, wie erwartet, unsere Leber. Sie ist die Hauptzentrale für die Entgiftung. Leider zeigt auch dieses Organ Alterserscheinungen.

Während die Leberfunktion nicht abrupt ausfällt, arbeitet sie mit den Jahren einfach gemächlicher. War der Alkohol früher morgens um 6:00 Uhr komplett abgebaut, kann es jetzt gut bis in den Vormittag dauern, bis Sie wieder vollständig nüchtern sind.

Dies spüren wir nicht nur als Rest-Kopfschmerz. Ein langsamerer Abbau bedeutet auch:

Darum verträgt Ihr Körper Alkohol schlechter, je älter Sie werden - image 2

  • Längere Belastung für das Gehirn und das zentrale Nervensystem.
  • Erhöhte Empfindlichkeit des Gehirns, was Gleichgewicht und Reaktionszeit negativ beeinflusst – selbst bei „einem Glas zu viel“.

Die einfache Taktik: So managen Sie den Konsum heute

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht komplett auf das gesellige Bier oder den Wein verzichten. Aber die Strategie muss sich ändern. Die Devise „Je oller, je doller“ gilt hier leider nicht.

Ihr „Smart Drink“ Plan für Wien und die Bundesländer:

Einer der effektivsten Life-Hacks, den ich aus dem Bereich der Ernährungsberater aufgeschnappt habe, ist dieser: Für jedes alkoholische Getränk trinken Sie zwei Gläser Wasser. Nicht nur eins, sondern zwei. Das gleicht den reduzierten Wasseranteil in Ihrem Körper teilweise aus, verdünnt den Alkohol im Blut stärker und entlastet die Leber.

Hier die allgemeinen Empfehlungen, die viele Experten im Blick haben:

  • Männer: Nicht mehr als zwei kleine Gläser pro Tag (z.B. ein „Seidel“ Bier oder zwei Achtel Wein).
  • Frauen: Nicht mehr als ein kleines Glas pro Tag.
  • Die Pause ist Pflicht: Legen Sie mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche ein. Ihre Leber wird es Ihnen danken! Wer zum Beispiel in einem burgenländischen Weinbaugebiet lebt, hat oft eine höhere „Trinkgelegenheit“ – hier ist Disziplin besonders wichtig.

Gewohnheiten lassen sich ändern, auch später im Leben. Viele berichten schon nach kurzer Umstellung, dass sie sich körperlich fitter und geistig flexibler fühlen. Sie haben schlichtweg mehr Energie für den Alltag.

Haben Sie selbst bemerkt, wie sich Ihre Alkoholtoleranz verändert hat? Welche Strategie wenden Sie an, wenn Sie ein geselliges Treffen vor sich haben?

Nach oben scrollen