Stell dir vor: Du bist auf der Autobahn unterwegs, biegst ab und plötzlich stellst du fest, dass der Beschleunigungsstreifen einfach zu kurz ist. Der Verkehr ist dicht, du kommst nicht auf die Fahrbahn und stehst im schlimmsten Fall fast still. Was jetzt? Weiterfahren und die Linie überqueren oder lieber stehen bleiben? Diese Frage beschäftigt viele Autofahrer und die Antwort ist überraschender, als du denkst.
Der Klassiker: Beschleunigungsstreifen endet, Lücke fehlt
Karin aus Kempten im Allgäu hat uns bei Bayern 1 genau diese knifflige Situation geschildert: „Wie ist das beim Einfahren auf die Autobahn? Darf ich oder muss ich vielleicht sogar den Pannenstreifen benutzen, wenn ich bei viel Verkehr nicht rechtzeitig einscheren kann? Oder muss ich am Ende der Auffahrspur dann stehenbleiben? Ich müsste ja eine durchgezogene Linie überfahren und das ist ja eigentlich verboten.“ Eine Frage, die viele von uns schon am eigenen Leib erfahren haben.

Die Gesetzeslage – und die Praxis
Polizeihauptkommissar Manfred Schmidt von der Autobahnpolizei in Ingolstadt gibt zu: „Das ist nicht ganz so einfach.“ Laut Gesetz müsstest du eigentlich am Ende des Beschleunigungsstreifens stehenbleiben, wenn ein gefahrloses Einscheren nicht möglich ist. Doch das schafft neue Probleme: Aus dem Stand heraus in den fließenden Verkehr einzufahren, birgt höchste Unfallgefahr. Und starkes Abbremsen am Ende der Spur kann ebenfalls zu gefährlichen Situationen führen.
Die „offizielle“ Grauzone
Hier prallen zwei Welten aufeinander: Die strikte Straßenverkehrsordnung und die pragmatische Realität. Der ADAC und viele Fahrschulen sind sich einig: Auf dem Standstreifen weiter beschleunigen! Und Polizeihauptkommissar Schmidt bestätigt: „Ja, und sie haben damit auch recht!“ Die Devise lautet: Situationsabhängiges Handeln. Gelingt das planmäßige Einscheren nicht, solltest du den Standstreifen nutzen, bis du eine sichere Lücke findest. Zwar ist der Standstreifen grundsätzlich nicht Teil der Fahrbahn und seine Nutzung verboten, aber zur Gefahrenabwehr darfst du hier vorsichtig weiterfahren. Die Polizei beurteilt solche Fälle in der Praxis mit Augenmaß.
Hier gilt das Prinzip: Sicherheit vor Paragrafenreiterei.

Wer hat hier eigentlich Vorfahrt?
Besonders heikel wird es an Autobahn-Einfahrten, wenn Autofahrer auf dem Beschleunigungsstreifen auf den letzten Metern einfach rüberziehen, ohne Rücksicht auf den Verkehr auf der rechten Autobahnspur. Müssen die anderen Spur wechseln?
- Klares Nein: Der Verkehr auf der Hauptfahrbahn hat immer Vorrang.
- Ein unkontrolliertes Einfädeln kann Kettenreaktionen auslösen und zu schweren Unfällen führen.
- Ein Spurwechsel auf der rechten Autobahnspur, um dem Einfahrenden Platz zu machen, ist nett, aber nur, wenn du dabei niemanden behinderst oder gefährdest.
- Es gibt hier kein Reißverschlussverfahren wie bei Baustellen. Wer auffährt, muss warten und aufpassen.
Merk dir: Auf der Autobahn hast du Vorfahrt, wenn du bereits auf der Hauptfahrbahn fährst.
Konntest du schon mal ein ähnliches Problem bei der Autobahn-Einfahrt meistern? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!
