Erinnern Sie sich noch an die Windpocken? Dieser vermeintlich harmlose Kindheitsspaß kann Jahrzehnte später eine böse Überraschung bereithalten. Gürtelrose ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern kann auch unerwartete Langzeitfolgen haben. Doch wer setzt sich wirklich diesem Risiko aus, und was können Sie tun, um sich zu wappnen?
Die Nachricht vorweg: Wenn Sie jemals Windpocken hatten, tragen Sie das Virus, das Gürtelrose auslöst, wahrscheinlich immer noch in sich. Diese hartnäckigen Varicella-zoster-Viren ruhen im Körper und warten nur auf eine Gelegenheit, sich wieder zu regen – oft dann, wenn das Immunsystem mal kurz schwächelt. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Gefahr einer Reaktivierung rapide an.
Die unsichtbare Gefahr: Warum Gürtelrose jeden treffen kann
Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, meldet sich mit einem schmerzhaften Ausschlag, der oft den gesamten Rücken oder Bauch ziert, aber auch im Gesicht auftreten kann. Dazu kommen heftige Schmerzen und ein quälender Juckreiz, der einem den letzten Nerv rauben kann. Und das Tückische daran: Die Viren, die Windpocken verursachen, sind die gleichen, die auch Gürtelrose auslösen. Sobald sie einmal im Körper waren, bleiben sie ein Leben lang dort und können jederzeit zurückkehren.
Wer sollte jetzt handeln? Die Impfempfehlungen für Österreich
Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose für alle ab 60 Jahren. Eine frühe Impfung, bereits ab 50, ist jedoch für Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen ratsam. Dazu zählen unter anderem:
- Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche.
- Personen mit HIV-Infektion oder rheumatischer Arthritis.
- Betroffene mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder chronischer Niereninsuffizienz.
- Menschen mit Diabetes mellitus oder schwerem Asthma.
Die Impfung erfolgt in zwei Dosen, wobei die zweite Dosis zwei bis sechs Monate nach der ersten verabreicht wird. Der moderne Totimpfstoff „Shingrix“ bietet hierbei einen länger anhaltenden und auch für ältere Menschen zuverlässigeren Schutz als ältere Lebendimpfstoffe. Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend, wie Rötungen, Schwellungen an der Einstichstelle oder auch leichte Kopfschmerzen und Müdigkeit.
Mehr als nur Schutz: Die unerwarteten Vorteile der Gürtelrose-Impfung
Die Zahlen sprechen für sich: Ohne Impfung erkrankt etwa ein Drittel aller Nichtgeimpften im Laufe ihres Lebens an Gürtelrose. Mit Impfung sinkt dieses Risiko drastisch auf nur noch 3%. Aber die Impfung scheint noch mehr zu bewirken!

Eine interessante Studie aus Wales ergab, dass geimpfte ältere Menschen ein signifikant geringeres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken – ein erstaunlicher Nebeneffekt, der weitere Forschung auf den Plan ruft.
Gürtelrose ansteckend? Wann Vorsicht geboten ist
Im akuten Stadium der Erkrankung kann Gürtelrose durchaus ansteckend sein. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit dem Inhalt der Bläschen. Erst wenn die Bläschen zu Krusten getrocknet sind, ist die Ansteckungsgefahr gering. Wichtig: Nur wer noch keine Windpocken hatte, kann sich anstecken und erkrankt dann an Windpocken.
Kosten und Nachsorgethesen: Was Sie über die Impfung wissen müssen
Die gute Nachricht für Impfwillige in Österreich: Die Kosten für die von den Gesundheitsbehörden empfohlenen Impfungen gegen Gürtelrose werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dies gilt für Personen ab 50 Jahren, insbesondere für jene mit chronischen Vorerkrankungen.
Wie lange der Schutz nach der Impfung anhält, ist noch Gegenstand laufender Forschung. Erste Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass der Schutz auch nach vier Jahren noch sehr hoch ist und mit der Zeit nur leicht abnimmt.
Symptome, die man nicht ignorieren darf
Die ersten Anzeichen einer Gürtelrose sind oft quälende, brennende oder schneidende Schmerzen, noch bevor der Ausschlag erscheint. Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl begleiten die ersten Tage. Der typische Ausschlag breitet sich entlang eines Nervs aus, meist einseitig auf Rücken oder Bauch, seltener auch im Gesicht. Die Bläschen dürfen unter keinen Umständen aufgekratzt werden, um Infektionen und Narbenbildung zu vermeiden.

Besonders bei einem Befall am Kopf ist rasches Handeln gefragt. Ein Augen- oder Ohrenarzt muss umgehend konsultiert werden, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.
Wenn die Schmerzen bleiben: Post-Zoster-Neuralgie
Eine der gefürchtetsten Spätfolgen von Gürtelrose ist die Post-Zoster-Neuralgie. Bis zu 20% der Betroffenen leiden auch nach Abheilen des Hautausschlags noch monate- oder sogar jahrelang unter starken Nervenschmerzen. Dieser Zustand kann die Lebensqualität massiv beeinträchtigen und erfordert oft eine spezielle Schmerztherapie. Ein unkomplizierter Verlauf dauert in der Regel zwei bis vier Wochen.
Kann man sich impfen lassen, wenn man bereits Gürtelrose hatte?
Ja, auch wer bereits eine Gürtelrose durchgemacht hat, kann von der Impfung profitieren. Eine erneute Erkrankung ist zwar selten, aber möglich. Wichtig ist nur, dass die Impfung erst nach vollständigem Abklingen der akuten Erkrankung erfolgen sollte.
Behandlung der Gürtelrose: Schnelles Handeln zählt
Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend, um Spätfolgen zu minimieren und die Schmerzen zu lindern. Die Therapie umfasst lokale kühlende und juckreizlindernde Mittel, antivirale Medikamente und bei Bedarf Schmerzmittel. Bei starken Nervenschmerzen kommen spezielle Medikamente zum Einsatz.
Haben Sie schon Erfahrungen mit Gürtelrose gemacht oder über eine Impfung nachgedacht? Teilen Sie Ihre Gedanken und Erlebnisse in den Kommentaren!
