Nicht teilbare Tabletten teilen: Darf man Tabletten ohne Kerbe teilen?

Nicht teilbare Tabletten teilen: Darf man Tabletten ohne Kerbe teilen?

Sie haben eine Tablette mit einer Kerbe und denken, sie ist zum Halbieren gedacht? Vorsicht! Viele greifen einfach zum Messer und teilen die Pille, um die Dosis anzupassen oder weil die Originalportion zu groß ist. Doch genau hier lauert eine Gefahr, die Ihre Gesundheit kosten kann. Wir verraten, warum diese vermeintlich harmlose Praxis gefährlich ist und wann Sie doch aufatmen können.

Die Illusion der Teilbarkeit: Warum uns Kerben täuschen

In der Hektik des Alltags greifen wir oft zur Tablettenteilung als schnelle Lösung. Viele Menschen glauben, dass die Kerbe auf einer Tablette automatisch bedeutet, dass sie sich problemlos halbieren lässt. Doch die Realität ist weitaus komplexer und birgt Risiken, die weit über eine einfache Dosisanpassung hinausgehen.

Die versteckte Gefahr: Wirkstoffverteilung ist kein Zufall

Die wichtigste Regel beim Umgang mit Medikamenten: Wenn keine Bruchkerbe vorhanden ist, lassen Sie die Finger davon! Der Grund liegt in der komplizierten Wirkstoffverteilung. Bei nicht teilbaren Tabletten ist die Menge des Wirkstoffs ungleichmäßig im Pillenkern verteilt. Das bedeutet, sie könnten unerwartet eine zu hohe oder zu niedrige Dosis erhalten.

Im Herstellungsprozess werden die Grundstoffe zwar vermischt, doch nach dem Pressen zur Tablette wird nicht mehr analysiert, ob der Wirkstoff tatsächlich homogen verteilt ist. Die Hersteller verzichten darauf aus Kostengründen, wenn die Tablette nicht zum Teilen bestimmt ist. Nehmen wir als Beispiel ein Blutdrucksenker wie Candesartan: Obwohl er eine Kerbe hat, ist er nicht dosisgleich teilbar. Der Hersteller gibt dies klar an.

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Warum das Teilen von Tabletten gefährlich sein kann

Matthias Schneider, Apotheker aus Dillingen und Experte des Bayerischen Apothekerverbands, erklärt die Gefahren:

  • Unregelmäßige Dosis: An manchen Tagen erhalten Sie mehr, an anderen weniger Wirkstoff. Das kann bei starken Medikamenten zu gravierenden Problemen führen.
  • Abbau des Wirkstoffs: Der empfindliche Überzug der Tablette kann beim Brechen beschädigt werden. Der Wirkstoff kann dann mit Luftsauerstoff, Feuchtigkeit oder UV-Licht reagieren und seine Wirksamkeit verlieren.

Die Verwirrung mit der Kerbe: Schmuck oder Funktion?

Eine Kerbe ist nicht immer ein Freifahrtschein zum Teilen. Viele Kerben sind reine „Schmuckkerben“. Sie dienen nur der Optik oder zur Unterscheidung verschiedener Medikamente, wenn Sie mehrere Präparate einnehmen müssen. Nur eine echte Bruchkerbe garantiert die dosisgleiche Teilbarkeit.

Wann Sie eine Tablette teilen dürfen – und wann nicht

Die goldene Regel: Sicherheit geht vor! Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Medikament teilbar ist, fragen Sie unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker. Die Packungsbeilage ist nicht immer eindeutig, und nicht jeder Arzt hat alle Informationen parat.

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Diese Tabletten dürfen Sie auf keinen Fall teilen:

  • Alle Präparate ohne deutliche Bruchkerbe
  • Antibiotika
  • Dragees und Kapseln
  • Tabletten mit magensaftresistentem Überzug (z. B. bestimmte Diclofenac-Präparate, Probiotika, Medikamente mit ätherischen Ölen) – diese lösen sich erst im Darm auf.
  • Retardtabletten: Diese geben den Wirkstoff über einen langen Zeitraum ab. Ein Teilen würde zu einer schnellen Überdosierung führen.
  • Medikamente gegen Krebs, Tuberkulose, Immunsuppressiva
  • Medikamente gegen Viruserkrankungen (Virusstatika)
  • Bestimmte Tabletten gegen Herzerkrankungen

Auch das Zerkleinern von Tabletten ist keine gute Idee. Suchen Sie lieber in der Apotheke nach leichter schluckbaren Alternativen.

Fazit: Vertrauen Sie dem Experten vor Ort

Die Teilbarkeit von Tabletten ist ein komplexes Thema, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Die vermeintlich einfache Lösung birgt erhebliche Risiken. Verlassen Sie sich auf die Expertise Ihrer Apotheker, die über Datenbanken und Erfahrungswissen verfügen, um Ihnen die korrekte Auskunft zu geben.

Haben Sie schon einmal eine Tablette geteilt und unerwartete Folgen erfahren? Teilen Sie Ihre Erfahrungen unten in den Kommentaren!

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