Supermarkt-Apps: Sparen Sie wirklich oder zahlen Sie mit Ihren Daten?

Supermarkt-Apps: Sparen Sie wirklich oder zahlen Sie mit Ihren Daten?

Sie kennen das: Sie stehen im Supermarkt, zücken Ihr Smartphone und öffnen Ihre bevorzugte Shopping-App. Rabatte! Coupons! Der Gedanke, etwas zu sparen, fühlt sich gut an. Aber haben Sie sich jemals gefragt, was hinter diesen digitalen Verlockungen steckt? Die Wahrheit könnte Sie überraschen – und vielleicht sogar erschrecken. Es ist Zeit, genauer hinzusehen, denn die vermeintlichen Ersparnisse sind oft nur die Spitze des Eisbergs.

Die schockierende Wahrheit über Supermarkt-Apps

Handelsketten überschütten uns mit Angeboten über Apps wie Lidl Plus, Kaufland oder Rewe. Das Versprechen: Viel Geld sparen. Doch wie viel bleibt am Ende wirklich in Ihrer Tasche?

Die bittere Bilanz: 2% Ersparnis?

Laut einer Analyse des Preisvergleichsportals Smhaggle, die über eine Million Kassenzettel auswertete, liegt die durchschnittliche Ersparnis durch Supermarkt-Apps oft gerade einmal bei mageren 2 Prozent. Das ist deutlich weniger, als viele von uns annehmen.

Discounter vs. Supermarkt: Wer ist wirklich billiger?

Die Vorstellung, Discounter seien immer die günstigste Wahl, hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Viele alltägliche Produkte zeigen kaum Preisunterschiede.

Wo sich die Preise tatsächlich gleichen

  • Milch: Oft exakt gleich bepreist.
  • Joghurt: Wenig bis keine Differenz.
  • Nudeln: Ähnliche Preisniveaus.
  • Butter: Die Preise gleichen sich schnell an.
  • Salatgurken: Kaum einsparungspotenzial.

Die App Smhaggle, die täglich tausende Kassenzettel sammelt, liefert die Datenbasis für diese Erkenntnisse. Die schiere Menge der hochgeladenen Bons sorgt für eine erstaunlich valide Stichprobe.

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Die Preistreiber im Hintergrund

Warum die Preise oft identisch sind? Es ist ein strategisches Spiel. Unternehmen wie Aldi und Lidl setzen die Preise, und Supermärkte wie Rewe oder Edeka ziehen blitzschnell nach – manchmal innerhalb von Stunden. Die beiden großen Discounter diktieren den Markt, und alle anderen müssen folgen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie Apps Ihr Einkaufsverhalten verändern

Nutzen Sie eine Supermarkt-App, kaufen Sie dann mehr ein, als ursprünglich geplant? Die Antwort ist oft ein klares Ja.

Der Sog des zusätzlichen Kaufs

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale zeigt: 78 Prozent der Nutzer greifen zu diesen Apps. Und das nicht ohne Folgen. Zwei Drittel der Befragten geben zu, zusätzliche Käufe getätigt zu haben, nur um von den angebotenen Rabatten oder Vergünstigungen zu profitieren. Das ist ein klarer psychologischer Hebel.

Verbraucherschützer warnen: Ihre Daten im Visier

Ramona Pop von der Verbraucherzentrale äußerte sich kritisch: „App-Nutzer:innen geben persönliche Daten preis. Supermärkte können so gezielt das Einkaufs- und Ernährungsverhalten beeinflussen.“ Sie fordert ein Verbot der Erstellung von Werbeprofilen aus Nutzerdaten und die Entfernung von Spielelementen wie Rabattstufen.

Welche Daten stecken hinter der App?

Bei der Registrierung geben Sie oft mehr als nur Ihren Namen und Ihre Adresse preis. Mail-Adressen und sogar Telefonnummern sind keine Seltenheit.

Die versteckten Zustimmungen

Ohne genaue Beachtung der Datenschutzeinstellungen, was die meisten von uns tun, willigen Sie oft zu: Werbeanzeigen in der App, die Analyse Ihres Konsumverhaltens und die Erstellung von Nutzungsprofilen durch die Händler. Sie stimmen im Grunde zu, dass Ihre Daten genau unter die Lupe genommen werden.

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Warum gibt es kostenlose Apps? Der Profit dahinter.

Die Strategie ist klar: Kundenbindung und Gewinnmaximierung. Christine Steffen, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW, erklärt im Podcast „Genau genommen“: „Die Unternehmen verdienen trotzdem mit diesen Apps, denn sie werden dadurch in die Lage versetzt, unglaubliche viele Informationen, also personenbezogene Daten, über die Nutzer zu sammeln.“

Mehr als nur Produktansichten

Es geht nicht nur darum, welche Produkte Sie ansehen oder auf Ihre Liste setzen. Die Apps erfassen:

  • Zu welcher Tageszeit Sie die App nutzen.
  • Bei welchen Angeboten Sie verweilen.
  • Wie oft und an welchen Wochentagen Sie nach Angeboten suchen.

Diese tiefen Einblicke erlauben den Handelsunternehmen, Ihnen maßgeschneiderte Werbung und Angebote zu präsentieren.

Wie Supermarkt-Apps uns fesseln

Push-Nachrichten über neue Angebote, Gewinnspiele und exklusive Coupons – diese Anreize sorgen dafür, dass wir die App immer wieder öffnen und nach potenziellen Einsparungen suchen.

Ihr Recht auf Auskunft: Was wissen die Händler?

Haben Sie das Recht zu erfahren, welche Daten ein Unternehmen über Sie speichert? Ja, das haben Sie! Laut Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) können Sie vom Anbieter Auskunft darüber verlangen, welche personenbezogenen Daten über Sie verarbeitet werden, auf welcher Rechtsgrundlage dies geschieht und an wen diese Daten weitergegeben werden.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal zum Smartphone greifen. Sind die kleinen Ersparnisse wirklich den Preis wert, den Sie mit Ihren Daten zahlen?

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