Der angebrannte Käse und Fettspritzer sind Ihre kulinarischen Erzfeinde? Die Pyrolyse-Funktion Ihres Backofens verspricht eine schnelle und mühelose Reinigung. Aber hält sie wirklich, was sie verspricht? Wir haben uns angesehen, wie gut dieser „Zauberknopf“ funktioniert und ob er Ihren Stromzähler zum Glühen bringt.
Pyrolyse-Reinigung: Eine ehrliche Bestandsaufnahme
Die Idee klingt verlockend: Einfach einen Knopf drücken, den Ofen auf bis zu 500 Grad aufheizen lassen und anschließend nur noch die Asche ausfegen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Stiftung Warentest hat die Selbstreinigungsfunktion von Backöfen unter die Lupe genommen, und die Ergebnisse sind ernüchternd.
Wie sauber ist der Ofen nach dem Pyrolyse-Zyklus?
Die gute Nachricht vorweg: Pyrolyse hilft. Aber sie ersetzt das Putzen nicht vollständig. Daniel Kastner von Stiftung Warentest erklärt nüchtern: „Mit der Pyrolyse funktioniert die Reinigung ein bisschen besser, als wenn man nur per Hand schrubbt. Aber richtig sauber und blitzblank ist der Ofen hinterher meistens nicht.“ Viele Rückstände verbrennen zwar zu Asche, doch hartnäckige Krusten und eingebrannte Flecken bleiben oft zurück. Dann heißt es doch wieder: Lappen und eventuell ein Edelstahlschwamm zur Hand nehmen – aber nur, wenn der Hersteller das erlaubt.
Der mysteriöse Film an der Backofentür
Ein Phänomen, das viele Pyrolyse-Nutzer kennen: ein schmieriger, teerartiger Belag an der Innenseite der Backofentür. Kastner klärt auf: „Bei der Pyrolyse entstehen Gase, in denen Öl oder Ruß enthalten sein können. Die kondensieren an der kühlsten Stelle – und das ist meistens die Backofentür.“ Diesen Film zu entfernen, kann eine echte Herausforderung sein, und das ausgerechnet an der Stelle, die wir beim Blick in den Ofen am häufigsten sehen.

Was kostet die Bequemlichkeit? Anschaffung und Anwendung
Pyrolyse ist keine kostenfreie Angelegenheit. Schon die Anschaffung eines Backofens mit dieser Funktion ist teurer. Hinzu kommt der Stromverbrauch während des Reinigungsvorgangs. Laut Stiftung Warentest kann ein Zyklus zwischen vier und acht Kilowattstunden Strom verbrauchen. Bei aktuellen Strompreisen können das schnell zwei bis drei Euro pro Reinigung sein.
Daniel Kastner fasst es gut zusammen: „Das muss jeder für sich entscheiden. Der Ofen wird davon nicht komplett sauber. Andererseits ist Ofenschrubben einfach die Pest.“ Man kauft sich also ein Stück Bequemlichkeit, aber keine perfekte Sauberkeit.
Der ultimative Tipp für einen sauberen Ofen
Elke Messerschmidt vom Kompetenzzentrum Hauswirtschaft in Weidenbach-Triesdorf hat einen pragmatischen Ansatz: „Für mich wäre das Nonplusultra, dass man direkt nach dem Backen oder nach der Zubereitung mal durch den Backofen wischt.“ Wenn das mal verpasst wurde, ist die Pyrolyse für sie eine gute Methode, um hartnäckige Verschmutzungen loszuwerden. Sie nutzt die Pyrolyse am liebsten, wenn der Ofen sowieso noch warm ist: „Dann muss er nicht mehr ganz von 0 auf 400 Grad – und dann bilde ich mir ein, dass ich dadurch ein bisschen Strom spare.“

Sicherheit geht vor: Kinder und Haustiere während der Pyrolyse schützen
Während des Pyrolyse-Vorgangs verriegeln sich die Öfen automatisch. Dennoch können die Außenflächen sehr heiß werden. Obwohl sich die Situation im Vergleich zu früheren Tests verbessert hat, „gibt es weiterhin heiße Oberflächen“, so Daniel Kastner. Es ist ratsam, Kinder und Haustiere während des Zyklus aus der Küche fernzuhalten.
Alternativen zur Pyrolyse: Was gibt es noch?
Neben der Pyrolyse gibt es weitere Reinigungsfunktionen wie Hydrolyse (mit Dampf) oder Katalyse (mit speziellen beschichteten Wänden). Diese Methoden verbrauchen zwar weniger Energie, sind aber auch deutlich weniger gründlich. Spezielle Antihaft-Beschichtungen können ebenfalls helfen, müssen aber regelmäßig erneuert werden, was zusätzliche Kosten verursacht.
Pyrolyse ist also kein Allheilmittel, aber eine komfortable Lösung für alle, die viel backen und weniger schrubben möchten. Wer Perfektion erwartet oder seinen Stromverbrauch im Auge behalten will, muss seine Erwartungen oder seine Putzroutine anpassen. Backpapier, gut gefüllte Auflaufformen und schnelles Nachwischen bleiben unschlagbare Helfer für einen stets sauberen Backofen.
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