Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Leichtflugzeug, und dutzende seltene Vögel folgen Ihnen durch die Lüfte. Klingt wie aus einem Film, oder? Doch genau das ist die faszinierende Realität von Helena Wehner, einer Frau, die sich der Rettung einer vom Aussterben bedrohten Vogelart verschrieben hat. Ihre ungewöhnliche Methode, Waldrappen das Fliegen in den Süden beizubringen, ist nicht nur wissenschaftlich bahnbrechend, sondern auch zutiefst berührend.
Dies ist keine gewöhnliche Tierschutzstory. Es ist die Geschichte einer Frau, die zur menschlichen Fluglehrerin für eine ganze Kolonie von Waldrappen wurde. Wenn Sie neugierig sind, wie man einer Vogelart, die fast verschwunden war, den Weg in den Süden beibringt, dann sollten Sie weiterlesen.
Ungewöhnliche Flugschule über den Wolken
Der Waldrapp, ein beeindruckender Vogel mit einer besonderen Federkrause, war in Europa im 17. Jahrhundert nahezu ausgestorben. Dank einzigartiger Wiederansiedlungsprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es nun Hoffnung für diese faszinierende Spezies. Helena Wehner war Teil eines solchen Projekts und nahm die Rolle der „Ziehmutter“ ein.

Ihre Aufgabe: Den jungen Waldrappen beizubringen, im Winter gen Süden zu fliegen. Allein würden sie diesen Weg nicht antreten. „Sie müssen verstehen, dass ich als Ziehmama im Fluggerät sitze“, erklärt Wehner. Wenn die Vögel dies verinnerlicht haben, folgen sie dem Ultraleichtflugzeug – Wehners „fliegendem Klassenzimmer“.
Jeder Vogel ist ein Individuum
Der Prozess ist komplex und erfordert viel Geduld. Die Vögel werden von klein auf per Hand aufgezogen. Nach einigen Wochen beginnen die gänsegroßen Vögel mit den neugierigen Frisuren, erste Flugversuche zu unternehmen. Wehner fliegt mit ihnen kurze Strecken, bis sie nach drei bis vier Wochen dem Flugzeug zuverlässig folgen.
Die Tiere sind dabei ganz verschieden: Manche sind richtige „Streber“, die sofort alles aufnehmen und Wehners Nähe suchen. Andere brauchen länger, lassen sich leicht ablenken. „Es ist schwierig, Tiere zu vermenschlichen“, sagt Wehner, „aber man kann sich eine Vogelgruppe schon wie eine Schulklasse vorstellen.“
Von der Delikatesse zur Schutzbedürftigen Art
Der Waldrapp, der einst als Delikatesse galt, ist heute eine Art, die unsere volle Aufmerksamkeit braucht. Wehners Leidenschaft für diese Vögel begann während ihres Geografiestudiums. Ihre Arbeit als Ziehmutter und nun ihre Forschung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Tiermigration zeigen ihre tiefe Verbundenheit.

Das Auswildern der Vögel ist für sie ein emotionaler Moment. Glück und Traurigkeit mischen sich, wenn sie ihre Schützlinge in die Freiheit entlässt. Die Sorge um vermisste Tiere oder Rückschläge im Artenschutz gehören zu den schwierigen Seiten ihrer außergewöhnlichen Arbeit.
Was können wir von Helena Wehners Arbeit lernen?
Helena Wehners Engagement zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Geduld, Verständnis und innovative Methoden im Tierschutz sind. Sie hat nicht nur Waldrappen das Fliegen gelehrt, sondern auch uns daran erinnert, wie wertvoll und schützenswert die Natur ist.
Könnten ähnliche Methoden, Tiere an neue Umgebungen oder komplexe Verhaltensweisen zu gewöhnen, auch in anderen Bereichen des Artenschutzes erfolgreich eingesetzt werden?
