Kennen Sie das Gefühl, wenn Jahrhunderte alte Traditionen plötzlich einen ganz neuen Sinn bekommen? Für viele Österreicher ist der bayerische Schäfflertanz ein malerisches Kuriosum. Aber ich sage Ihnen: Dieser Tanz ist viel mehr als Folklore. Er ist ein Rezept gegen die Angst, das 1517 erfunden wurde.
Gerade jetzt, wo wir uns in Österreich nach mehr Gemeinschaft, Farbe und Ablenkung sehnen, zeigt uns dieser Tanz, wie man aus der Krise kommt. Die Fassbauer tanzen nur alle sieben Jahre. Und jetzt ist die Chance, ihn zu sehen. Lesen Sie unbedingt weiter, denn was die Tänzer mit einem vollen Schnapsglas machen, hat mich wirklich überrascht.
Der Insider-Vibe: Was die wenigsten über die 7-Jahres-Regel wissen
Die Schäffler – das sind die Fassmacher (Böttcher) – tanzen seit Jahrhunderten. Im Kern ist es ein Zunfttanz. Aber warum nur alle sieben Jahre? Das ist der Stoff für Stammtisch-Anekdoten, und die Wahrheit ist komplizierter, als die Legenden vermuten lassen.
Die bekannteste Überlieferung, die Sie schnell im Internet finden, geht auf die Pestepidemie von 1517 zurück. Die Menschen in München versteckten sich, das öffentliche Leben stand still. Angeblich traten junge Schäffler auf den Marktplatz, um mit ihrem Tanz und ihrer Musik die Bevölkerung zu beruhigen und wieder Mut zu machen. Sie dachten: Lieber tanzen, als in Angst sterben.
Aber Obacht: Experten wie ich wissen, dass diese „Pest-Legende“ wahrscheinlich erst im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Die Archive zeigen keine Belege für eine große Seuche in München 1517.
Hier sind die drei Hauptgründe, warum die Sieben die magische Zahl wurde:

- Der Glücksfaktor: Die Sieben galt traditionell als Glückszahl. Und es hieß, die Pest käme alle sieben Jahre – ein Tanz als magische Abwehr.
- Die Verordnung: Manche Chroniken vermuten, dass Herzog Wilhelm IV. die Zunftfeste begrenzen wollte und den Schäfflern nur alle sieben Jahre das Tanzrecht gewährte.
- Die Wiedererkennung: Es ist belegt, dass der Tanz seit 1760 zuverlässig alle sieben Jahre in der Faschingszeit stattfand. Heute dient der Rhythmus primär der Pflege der Tradition und der hohen Wertschätzung (man hat ja nur selten die Chance, ihn zu sehen!).
Merken Sie sich: Eine Tradition, die Jahrhunderte überdauert, braucht oft keine logische Erklärung, sondern nur einen starken Rhythmus.
Kostüme und Rituale: Warum die Tänzer ein mysteriöses Band tragen
Der Schäfflertanz ist perfekt durchchoreographiert. Es gibt 20 Tänzer, dazu Kasperl (die Clowns), einen Fähnrich und den entscheidenden Reifenschwinger.
Die Tracht ist präzise (weiße Kniestrümpfe, schwarze Kniebundhose, rote Jacken), aber ein Detail sticht hervor: Quer über die Brust tragen die Tänzer ein sogenanntes „Pestband“. Dieses Band hält die alte Legende am Leben, egal ob sie historisch belegt ist oder nicht. Es ist eine visuelle Erinnerung daran, dass dieser Tanz gegen die Lethargie und gegen die Angst erfunden wurde.
Apropos Angsthase: Die Kasperl spielen eine faszinierende Rolle. Sie bemalen die Gesichter der Zuschauer mit einem Kohlestrich. Kein Witz. Dieser Strich soll Glück bringen. Ich beobachtete das bei früheren Aufführungen: Zuerst zuckt man zusammen, dann lacht man. Es ist eine sofortige, intime Interaktion, die die Distanz zwischen „Bühne“ und „Publikum“ auflöst.
Der Life-Hack der Fassbauer: Die Schnapsglas-Probe
Hier kommt der praktische Tipp, der den Schäfflertanz einzigartig macht. Er ist so absurd, dass er funktioniert:

Der Höhepunkt ist der Auftritt des Reifenschwingers. Er hält eine kurze Ansprache, „derbleckt“ (verspottet) elegant die lokale Prominenz und beginnt dann, einen großen Holzreifen zu schwingen. In einer kleinen Kerbe des Reifens ist ein volles Schnapsglas platziert.
Das Ziel? Den Reifen so schnell und präzise zu schwingen, dass kein Tropfen des Schnapses verschüttet wird.
- Schritt 1: Der Reifenschwinger balanciert das Glas perfekt aus.
- Schritt 2: Der Reifen wird in eine kreisende Bewegung gebracht, die die Zentrifugalkraft nutzt – das Glas bleibt fest an seinem Platz (physikalische Meisterleistung!).
- Schritt 3: Am Ende trinkt der Schwinger den Schnaps aus.
- Schritt 4: Er wirft das Glas hinter sich, wo es ein Kasperl mit seiner Mütze auffängt.
Das Ganze ist eine Metapher für Kontrolle, Präzision und Lebensfreude. Ich sehe darin eine großartige Inspiration für den Alltag: Egal, wie stressig die Situation (der Schwung) ist, behalten Sie die Kontrolle über Ihre Mitte (das Glas), und am Ende gibt es eine Belohnung. Und wenn das Glas mal fällt? Auch egal, die Kasperl fangen es auf.
Achtung, Termin-Update für unsere Region!
Traditionell tanzen die Schäffler in der Faschingszeit. Aber es gibt Ausnahmen. Auch in Österreich hat man manchmal das Gefühl, dass Traditionen im Lockdown feststecken. Die Münchner Schäffler hatten zum Beispiel nach der Corona-Pause angekündigt, im Mai zu tanzen, um den Menschen „gegen Corona und den Krieg Mut zu machen“ („Kemma wieder zam“). Das zeigt: Die Tradition passt sich an, wenn der Mut knapp wird.
Während viele Orte im Altbayrischen Raum erst 2026 oder 2027 wieder im festen Turnus tanzen, sollten Sie die lokalen Ankündigungen in grenznahen Regionen (Salzburg, Tirol) und Süddeutschland genau verfolgen. Es könnte immer wieder Sonderauftritte geben, die diesen alten Mut-Tanz zurück auf die Straße bringen.
Fazit: Der Schäfflertanz ist nicht nur ein schöner alter Brauch, sondern eine Erinnerung daran, dass wir selbst in den dunkelsten Stunden die Musik und den Mut finden müssen, um wieder zusammenzukommen und das öffentliche Leben zu feiern. Die Schäffler haben uns gezeigt, dass ein Tanz – oder ein perfekt geschwungenes Schnapsglas – die beste Antwort auf die Angst ist. Welche Ihrer alten Familientraditionen könnte jetzt, ganz plötzlich, an Aktualität gewinnen?
