Stellen Sie sich vor, Sie verbringen die Weihnachtszeit nicht mit Christkindlmärkten und Glühwein, sondern 400 Kilometer über der Erde in einer internationalen Wohngemeinschaft. So sah die Realität von Matthias Maurer aus, dem deutschen Astronauten, der 177 Tage auf der Internationalen Raumstation (ISS) verbrachte. Doch das ist noch lange nicht alles. Das Leben im All steckt voller Überraschungen, die von Glücksspielen mit Weltraumschrott bis hin zu unerwarteten medizinischen Notfällen reichen.
Warum das für Sie wichtig ist? Weil Maurers Erfahrungen uns zeigen, wie extrem sich die menschliche Kreativität und Widerstandsfähigkeit in den unwirtlichsten Umgebungen manifestiert. Und um ehrlich zu sein: Manche „irdischen“ Probleme, wie Weihnachtsgeschenke organisieren, können stressiger sein als eine ganze Weltraummission.
Die unsichtbare Gefahr in 400 Kilometern Höhe
Viele von uns kennen in Österreich das Gefühl von Höhenangst, vielleicht beim Wandern in den Alpen oder dem Blick vom Stephansdom. Doch das Gefühl, das Maurer beschreibt, geht weit darüber hinaus. Während seines siebentstündigen Außeneinsatzes, dem „tollsten Tag“ seiner Mission, blickte er auf Brasilien hinunter.
„Zwischen mir und Brasilien hatte ich 400 Kilometer nichts. Ich dachte, ich falle“, erinnert sich Maurer. Aber das visuelle Erlebnis ist unschlagbar: Die Erde sei nicht blau wie der Himmel, den wir kennen – der Himmel sei schwarz, die Erde strahlend blau, leuchtet sie doch durch die Atmosphäre.
„Russisch Roulette“: Als die Trümmer kamen
Der Alltag auf der ISS ist aber nicht nur von wunderschönen Ausblicken geprägt. Es gibt Momente, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein solcher Moment trat nach dem Abschuss eines Satelliten durch Russland ein.
Die Folgen: Tausende Trümmerteile rasten quer durchs All. Die Astronauten erhielten eine Warnung:

- „Ihr fliegt in vier Stunden in diese Trümmerwolke hinein.“
- Die Besatzung wusste nicht, ob sie heil wieder herauskommen würden.
- Der Kollisionskurs der vielen tausend Teile konnte nicht berechnet werden.
Maurer beschreibt das Gefühl als „sehr mulmig“ – ein „Russisch Roulette“ in 400 Kilometern Höhe, ähnlich dem berühmten Film
Was Matthias Maurer an Weihnachten am meisten vermisste (und was er stattdessen tat)
Wenn wir in Österreich an Weihnachten denken, fallen uns sofort Punschstand, Glühwein und der Duft von Kerzenwachs ein. Auf der ISS ist das anders. Alkohol ist streng verboten, da er das empfindliche Lebenserhaltungssystem der Station stören und die Fitness der Crew beeinträchtigen könnte.
Trotzdem ließen sich die Astronauten die Stimmung nicht verderben:
- Sie hängten einen schwebenden Christbaum aus Plastik von der „Decke“ herab (oder was dort die Decke ist).
- Es gab ein Weihnachtsmenü: in Plastikfolie eingeschweißten Truthahn von der NASA.
- Nach dem gewöhnlichen Weltraumessen schmecke so ein Menü „lecker“, so Maurer.
- Sie sangen gemeinsam Weihnachtslieder in der internationalen WG.
Die ISS ist im Grunde eine internationale WG, in der alle Dinge gemacht werden, die man auch auf der Erde macht – nur ohne Schwerkraft und mit Truthahn aus der Folie.

Der ultimative Notfall-Skills: Warum Astronauten Zahnärzte werden
Und nun zum vielleicht unerwartetsten Teil der Ausbildung: Astronauten lernen, sich selbst Zähne zu ziehen. Klingt schräg, ist aber logisch. An Bord der ISS gibt es keinen Zahnarzt.
Wenn sich ein Astronaut auf einer zukünftigen Mondmission befindet – Maurers nächstes großes Ziel – oder auf der ISS einen akuten Zahnnotfall erleidet, muss er sich selbst oder seinen Kollegen helfen können. Zum Intensivtraining gehört daher ein medizinischer Crashkurs.
Maurer selbst hat diesen Eingriff schon im Training durchgeführt: „Ich hatte wacklige Knie, aber es hat funktioniert.“ Das ist der Kern der Isolation im Weltraum: Man muss für alles gewappnet sein, weil externe Hilfe nicht innerhalb von Stunden eintrifft. Es geht um die spezifische Nützlichkeit im Ernstfall.
Das Fazit eines Insiders
Das Leben als Astronaut zeigt, wie relativ unsere Probleme sind. Während wir uns über steigende Preise an der Tankstelle ärgern oder den Weihnachtsgeschenke-Kauf aufschieben, geht es in 400 Kilometern Höhe um Schwerkraft, Weltraumschrott und das Notfall-Zähneziehen.
Matthias Maurer hat uns einen tiefen Einblick in diese ungewöhnliche „WG“ gegeben, wo Stress durch kosmische Gefahren ersetzt wird.
Was wäre für Sie die größte Herausforderung: Glühweinverzicht oder der Gedanke an einen wackelnden Zahn im All? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!
